Neapel im Sommer ist ein Ausdauertest. Wer vorbereitet kommt, schwitzt weniger. Wer das nicht tut, lernt es schnell.
Über 30 Grad, viel Beton, wenig Schatten. Neapel verzeiht im Sommer keine Naivität. Aber wer weiß, wo man sich rettet – der erlebt eine Stadt, die auch bei Extremhitze funktioniert. Ein Selbstversuch in mehreren Etappen.
Erste Lektion: Hauptsache luftig

Erster Halt, erste Erkenntnis. Die „luftige“ Sommerhose und -bluse sind auf keinen Fall luftig genug, zumindest nicht für Neapel. Auf der Via Toledo, der großen Einkaufsmeile der Stadt, gibt es eine hellblaue leichte Leinen-Tischdecke mit bunten Blumen als bodenlanges Sommerkleid geschneidert. 20 Euro. Die beste Investition des Tages. In Neapels Sommer ist kein Platz für modische Eitelkeiten, zumindest für die Touristen. Lektion gelernt: Beim nächsten Mal Knirps einpacken. Den mobilen Sonnenschirm, nicht den faltbaren Regenschirm aus dem Supermarkt.
Das Manhattan des Mittelalters
Zweite Lektion: Der Lungomare gehört dem Händler

Draußen, am Lungomare, um zwölf: Die Promenade gehört niemandem mehr. Fast niemandem. Der einzige Mensch, der noch aufrecht steht, ist ein fliegender Händler aus Pakistan mit zwei Dutzend Sonnenbrillen. Er sieht entspannt aus. Er kennt solche Temperaturen, sagt er. Man glaubt es ihm sofort. Kaufen wollen wir nix, aber schnell raus aus der prallen Sonne.
Italienische Speisekarte verstehen
Die Kühlung, Teil eins: Konditorei

Rein in die nächste Konditorei, ohne Zögern. Drinnen: eisige Klimaanlage, Glasvitrinen voller Gebäck, und das stille Einverständnis aller Anwesenden, dass niemand wirklich etwas kaufen muss, um hier zu stehen. Eiswürfel in den Kaffee, heimlich auch unter die Achseln. Neapel ist heiß. Sehr heiß. Sehr viel Sonne, sehr wenig Erbarmen.
Die Kühlung, Teil zwei: Metro dell’Arte
Aber Kühlung gibt es in Neapel auch kostenlos und mit Kunstanspruch. Die Metro dell’Arte – das Metronetz der Stadt – ist eines der ambitioniertesten U-Bahn-Kunstprojekte Europas. Stationen wie Toledo oder Università sind keine Haltestellen, sie sind Ausstellungsräume: Mosaike, Installationen, Lichtkunst. Und angenehme 20 Grad. Man fährt ein, schaut sich um, fährt wieder aus. Und nochmal rein. So lange bis man runtergekühlt hat.
Die Kühlung, Teil drei: Unter der Stadt

Kaum wieder oben, trifft die Nachmittagssonne wie ein nasser Lappen. Nächster Gang in die Tiefe, diesmal in der Galleria Borbonica, ein Teil von Neapels geheimnisvoller Unterwelt. Hier sieht man auch noch Zeugen des dunkelsten Kapitels der deutsch-italienischen Beziehungen. Unter der Stadt lagerten die Nazis Fahrzeuge, heute kann man sie besichtigen: Ein Bunker, ein Museum, ein Mahnmal. Wenn der Bombenalarm für die Führung eingeschaltet wird, läuft es einem trotz der Kühle kalt den Rücken runter. Gut anderthalb Stunden später: Tageslicht. Und Hunger.
Das Babà-Zwischenspiel

Weiter zu Fuß in die Quartieri Spagnoli. Auf dem Weg: ein Babà mit Crema, dazu ein eiskalter Caffè con panna. Drei- bis viertausend Kalorien, alles zusammen unter fünf Euro. Essen macht in Neapel Spaß. Das ist keine Meinung, das ist Fakt.
10 Songs, die dir Italienisch versüssen
Der Geheimtipp des neapolitanischen Sommers

200 Meter weiter dann der eigentliche Geheimtipp. Ein kleiner Stand, handgeschriebenes Schild: Cosce Aperte – auf Deutsch: geöffnete Beine. Frisch gepresste Zitrone, Soda, und ein Pulver namens Cremor Tartaro, das die Mischung so sauer macht, dass man beim ersten Schluck unwillkürlich die Beine auseinander reißt. Daher der Name. Köstlich. Erfrischend.
Das Meisterwerk
Hunger, immer noch. Endlich fündig in einer klassischen Trattoria in den Quartieri Spagnoli: Speisekarte auf Italienisch, viele Einheimische an den Tischen. Und dann – die Pizza Napoletana. Aufgeblähter Rand, wenig Käse, viel fruchtige Tomatensoße. Leicht, luftig, perfekt bei Hitze.
Mitternacht in der ersten Late-Night-Bar Neapel
Nach einer kurzen Auszeit am Hotelpool – wer hat, der nutzt – geht es gegen Mitternacht wieder raus. Neapel schläft nicht, es schwitzt nur kurz. In der ersten Late-Night-Bar der Stadt gibt es ab dem späten Abend bis in den frühen Morgen Kalorienbomben in auf Plastiktabletts mit Papier: Croissants, Torten mit Kinder Bueno oder Raffaello, frittiertes in Tüten. Das Lokal ist brechend voll. Junge Pärchen, Familien mit Kindern, die Nonna mit ihren Enkeln. Alle zusammen, alle wach, alle glücklich.
Was Italiener beim Essen anders machen
Mehr offizielle Infos bei



















