Die Toskana ohne Reiseführer: 10 Dörfer abseits der Routen

Zehn Dörfer abseits der üblichen Routen – mit mittelalterlichen Gassen, Tuffsteinfelsen und einer Ruhe, die man in Siena und Florenz nicht findet.

San Gimignano im August. Reisebusse reihen sich auf dem Parkplatz wie Dominosteine. Oben in der Altstadt schieben sich die Menschenmassen durch Gassen, die eigentlich für Esel gebaut wurden. Gelato in der einen Hand, Smartphone in der anderen. Das ist nicht falsch. San Gimignano ist schön, das bleibt es auch mit tausend Menschen darin. Aber es ist eben nicht unbedingt das, was die meisten erwarten, wenn sie sich ein Bild von der Toskana ausmalen. Die Postkarten-Motive gibt es auch noch. Man muss nur die Abfahrt von der Schnellstraße zu nehmen, zum Beispiel nach:

Anghiari

Nahe Arezzo, im oberen Tiber-Tal, folgt Anghiari einer langen Hügelfalte – das Städtchen ist so gut erhalten, dass Filmteams hier regelmäßig drehen, weil man kaum etwas verbergen oder umbauen muss. Offiziell gehört es zu den schönsten Dörfern Italiens. Inoffiziell weiß das kaum jemand. Ein alter Mann kehrt vor seiner Haustür. Irgendwo riecht es nach Eintopf.

Loro Ciuffenna

Direkt am Fluss Ciuffenna, ebenfalls in der Provinz Arezzo, steht eine der ältesten Wassermühlen der Toskana – sie mahlt noch heute. Dazu eine mittelalterliche Brücke, die aussieht, als hätte sie jemand für einen Kalender gebaut, es aber nie gemeldet. Gut für Spaziergänge, gut für nichts Bestimmtes.

Montefioralle

Oberhalb von Greve in Chianti, kreisförmig angelegt im elften Jahrhundert, Weinberge bis an die Mauern. Greve selbst kennen viele Chianti-Reisende. Montefioralle, keine zehn Minuten den Hügel hinauf, kennen deutlich weniger. Der Ausblick über die Rebzeilen rechtfertigt den Umweg auch dann, wenn das Dorf selbst geschlossen hat.

clouds over a summer vineyard - Toskana Dörfer
Das Chianti-Tal.
Foto: Wolfgang Weiser auf Pexels.com

Sorano

In der Provinz Grosseto, tief in der Maremma, wächst das Dorf buchstäblich aus dem Tuffstein heraus. Der Vergleich mit Matera in der Basilicata ist nicht aus der Luft gegriffen – dieselbe Dramatik, dieselbe Wucht, nur ohne die Besucher, die Matera inzwischen täglich anzieht. Sorano hat dieses Stadium noch nicht erreicht. Vielleicht bleibt es so.

Montemerano

Ein paar Kilometer weiter, ebenfalls Maremma. Die Einheimischen nennen es paese dell’amore, Dorf der Liebe. Steinerne Häuser auf einer Bergkuppe, mittelalterliche Gassen, und in der Dorfkirche Fresken, die dort eigentlich nicht hingehören – zu gut für einen Ort dieser Größe. Woher sie kommen, wann genau, darüber streiten die Kunsthistoriker noch.

Pitigliano

Das bekannteste der drei Maremma-Dörfer und trotzdem überschaubar im Trubel. Der Beiname „Klein-Jerusalem“ stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert, als Juden, die vor den Päpsten des Kirchenstaats flohen, hier Schutz fanden. Die Häuser ragen aus dem Tuffsteinfelsen heraus, manche scheinen direkt hineingehauen. Das jüdische Viertel mit seiner kleinen Synagoge ist noch heute erhalten.

Montefollonico

Südlich im Val d’Orcia, Panoramablick auf die Crete Senesi, eine Piazza del Comune, auf der mittags noch Plätze frei sind. Die Küche ist toskanisch ohne Aufschlag. Wer das Val d’Orcia kennt und Montefollonico noch nicht, hat bisher immer die falsche Abzweigung genommen.

scenic tuscan countryside view with villas
Toskana, so wie man sie sich vorstellt.
Foto: Marc Peeters on Pexels.com

Santa Fiora

Am Monte Amiata, dem erloschenen Vulkan im Süden der Toskana, hat das Dorf eine ungewöhnlich enge Verbindung zu den Wasserquellen des Berges. Die Adelsfamilie Aldobrandeschi regierte hier über Jahrhunderte, die Geschichte sitzt in den Mauern. Darunter fließt der Fiora.

Arcidosso

Weiter oben am Amiata, dominiert von der Torre Aldobrandesca. Alte Straßen, Kirchen, kein Hochglanz. Ein Bergdorf, das sich nicht in Szene setzt.

Castelvecchio

Zwischen San Gimignano und Volterra, im Wald. Kein bewohntes Dorf mehr – seit den siebziger Jahren wird die mittelalterliche Ruinensiedlung archäologisch freigelegt. Keine Infrastruktur, keine Gastronomie, nichts. Nur Steine, Bäume und die Frage, wer hier gelebt hat und warum irgendwann alle gegangen sind.

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