San Gimignano in der Toskana: Das Manhattan des Mittelalters

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An Spitzentagen kommen bis zu 20.000 Touristen auf knapp 8.000 Dorfbewohner: San Gimignano in der Toskana gilt als das „Manhattan des Mittelalters“. 

Im Mittelalter gab es mehr als 70 „Wolkenkratzer“ in San Gimignano, heute ragen noch 13 in den Himmel. Damals gebaut, weil die Bewohner sich so häufig bekämpften, ziehen die mittelalterlichen Türme heute bis zu drei Millionen Besucher pro Jahr an.

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Das Manhattan der Toskana

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Heute gehört das Dorf zu den Hotspots in der Toskana
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Die Landwirtschaft und der Handel machten San Gimignano in den Jahren 1000 bis 1300 zu einer wohlhabenden Stadt. Angebaut wurden vor allem das wertvolle Gewürz Safran und die Weinsorten Vernaccia, gehandelt wurde mit Wolle, außerdem gab es Geldverleih. 

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Profitable Lage an der Pilgerroute

Unterstützt wurde die Entwicklung durch die besondere geografische Lage: Die Stadt lag auf der „Via Francigena“, der damaligen Pilgerroute nach Rom. Außerdem führte der Weg zum Hafen von Pisa über San Gimignano. Pilgernde und Reisende machten Rast, gaben Geld aus und deckten sich mit Vorräten ein. Die Stadt wuchs auf 13.000 Einwohner an. Im Jahr 1199 erklärte San Gimignano seine Unabhängigkeit vom Bischof von Volterra und wurde eine freie Gemeinde.

Familienfehden im Mittelalter

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Das Leben in den Türmen war dunkel
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Wo es viel zu verdienen gab, gab es auch viel Streit: Familienfehden beherrschten den Alltag im Mittelalter. Die Anhänger des Papsttums, die Guelfen, bekriegten sich mit den Unterstützern des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs, den Ghibellinen. Die einen wollten mehr Macht für den Papst, die anderen mehr Macht für den Kaiser. 

Für den Ernstfall bauten sich die reichen Adels- und Kaufmannsfamilien sogenannte „Geschlechtertürme“ – je höher, desto mächtiger und wohlhabender. 

Ein Leben im Dunklen

Aus Sicherheitsgründen hatte ein Geschlechterturm keine Tür im Erdgeschoss; die oberen Etagen waren nur über eine Strickleiter zu erreichen. Im Falle eines Angriffs wurde die Leiter hochgezogen; Angreifer wurden mit heißem Öl, Steinen, Stöcken und Ähnlichem abgewehrt. 

Wegen der Feuergefahr musste sich die Küche ganz oben im Turm befinden, was den Alltag im Rest des Baus düster, stickig und klamm machte. Die Zimmer waren sehr eng, in der Regel nur ein mal zwei Meter klein, die Wände etwa zwei Meter dick. 

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Die Familien, die es sich leisten konnten, hatten einen Palazzo neben ihrem Turm – für ein komfortables Leben in Friedenszeiten. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts spielte Komfort zunehmend eine Rolle, die Öffnungen in den Türmen wurden breiter. 

san gimignano town in italy
San Gimignano von oben.
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Einsturzgefahr


Aus Rivalität wurden die Türme im 13. Jahrhundert immer höher gebaut – sogar über 70 Meter. Es kam zu Einstürzen. Nach der Fertigstellung des „Torre Grossa“ Anfang des 14. Jahrhunderts wurde beschlossen, dass kein Turm mehr höher sein darf als der Turm des örtlichen Rathauses. Der „Torre Grossa“ misst spektakuläre 54 Meter.

Die Pest führt zum Untergang

Die Pest traf das Städtchen im Jahr 1348 hart: Zwei Drittel der Bevölkerung starben, so die örtlichen Angaben. San Gimignano verarmte und unterwarf sich im Jahr 1352 Florenz. Es begann ein Niedergang, der Jahrhunderte andauern sollte.

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Nur dank der damaligen Armut blieb das Dorf unverändert
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Aus Mangel an finanziellen Mitteln blieb das Zentrum von San Gimignano unverändert: Es wurden keine neuen Gebäude errichtet, keine neuen Plätze angelegt. San Gimignano blieb über Jahrhunderte, wie es im Mittelalter war – eingefroren in der Zeit. 

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Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Wiedergeburt: Das Mittelalter wurde zum angesagten Thema, das Interesse an der Geschichte des Toskana-Städtchen stieg. Die Restaurierungen begannen, die Touristen reisten an. 1990 erklärte die Unesco das historische Zentrum zum Weltkulturerbe.

San Gimignano: kurz & kompakt

  • Im Foltermuseum, „Museo della Tortura“, gibt es eine Sammlung von Folterinstrumenten.
  • Berühmter Weißwein: der geschützte „Vernaccia di San Gimignano„. Mehr im Wein-Dokumentationszentrum der Gemeinde (HIER, externer Link)
  • Auch der Safran der Region hat seit 2005 eine geschützte Ursprungsbezeichnung.
  • Die alte römische Pilgerroute, die Via Francigena (Frankenweg), führt durch die Stadt. Man braucht etwa drei Stunden zu Fuß nach Gambassi Terme und etwa 30 Kilometer nach Monteriggioni im Süden.

Reisetipps

Besichtigung

Der Torre Grossa ist der einzige Turm, der öffentlich zugänglich ist. Der Aufstieg lohnt sich – die Aussicht ist fantastisch! Die Eintrittskarte gilt für alle öffentlichen Museen vor Ort (Rathaus, Gemäldegalerie und Torre Grossa). Das Ticket kostet 9 Euro, reduziert 7 Euro (Studenten, Senioren, Menschen mit Handicap).

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Unterkunft

Es gibt mehr als 100 Pensionen und Hotels in und um San Gimignano: Von rustikal und einfach bis opulent und luxuriös ist alles möglich, zentral im Städtchen oder außerhalb im Agriturismo, Urlaub auf dem Bauernhof. Hotelzimmer mit eigenem Bad gibt es in der Hauptsaison ab gut 100 Euro. 

Anreise

  • Auto: Die historische Altstadt ist für Autos von außerhalb gesperrt. Es gibt vier kostenpflichtige, ausgeschilderte Parkplätze außerhalb der Stadt, zwei im Süden (Parcheggio P 1 Giubileo, P2 Montemaggio) und zwei im Norden („P3 Bagnaia Superiore“ und „Parcheggio P4 Bagnaia Inferiore“.
  • Zug: Der nächste Bahnhof liegt in Poggibonsi, von wo aus man mit dem Bus oder Taxi weiterfahren kann. Die Fahrt dauert knapp 20 Minuten. Es gibt regelmäßige Verbindungen von Florenz und Siena nach Poggibonsi. 
  • Flug: Die nächsten Flughäfen sind in Florenz (61 Kilometer), Pisa (75 Kilometer) und Bologna (150 Kilometer).

Hier kommst du zur offiziellen Tourismus-Information von San Gimignano

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