Was viele Touristen in Italien falsch machen: Urlaubs-Tipps!

Ein Souvenirshop in Florenz.

Man liebt Italien. Man bucht Italien. Man bereitet sich auf Italien vor – und dann kommt am Ende alles anders.

Sieben ehrliche Hinweise für alle, die es beim nächsten Mal mit mehr Dolce Vita haben wollen.

1. Sie fahren an die Amalfiküste – und ärgern sich über den Stau

Amalfiküste im Sommer
Stau gehört im Sommer dazu.

Die Amalfiküste ist eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Und ja, Sie werden im Stau stehen. Zwischen Positano und Amalfi, Stoßstange an Stoßstange, links der Fels, rechts der Abgrund, vor Ihnen ein Reisebus, dessen Fahrer gerade mit einem entgegenkommenden Lieferwagen eine Verhandlung führt, die keiner von beiden gewinnen kann.Das ist kein Problem. Das ist die Amalfiküste.

Wer hier erwartet, zügig voranzukommen, hat etwas Grundlegendes missverstanden. Diese Straße wurde für Maultiere gebaut. Dass heute überhaupt Autos draufpassen, ist weniger Ingenieursleistung als kollektive Selbstüberschätzung.

Was klüger wäre: Nichts. Fahren Sie. Stehen Sie. Schauen Sie aus dem Fenster. Die Aussicht ist auch im Stau spektakulär. Und die Klimaanlage läuft ja noch.

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2. Sie besuchen Florenz, aber sie sehen Florenz nicht

Panoramablick auf Florenz in der Toskana
Panoramablick auf Florenz.

Das läuft jedes Jahr millionenfach so: Uffizien, David, Ponte Vecchio, Foto, weiter. Vier Stunden, fertig, abgehakt.

Das Problem ist nicht die Geschwindigkeit. Das Problem ist, was dabei übersehen wird. Florenz ist eine Stadt, die man nicht erschöpfen kann. Wer einmal länger bleibt, entdeckt, dass hinter der Tourismusfassade eine Stadt mit echten Vierteln lebt: das Oltrarno, das Handwerkerviertel südlich des Arno, wo Restauratoren Möbel reparieren, die älter sind als manches Land. Die Mercato-Centrale-Umgebung, wo Florentiner tatsächlich einkaufen – nicht für Touristen, sondern für sich.

Was klüger wäre: Einen halben Tag ins Oltrarno. Kein Museum. Kein Eintritt. Nur Straßen. Erstaunlich, was passiert, wenn man einfach losläuft.

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3. Sie essen „typisch italienisch“ – ohne zu wissen, was das bedeutet

Abends unterwegs in Neapel
Abends unterwegs in Neapel

Was viele nicht wissen: Italien ist kein kulinarisches Land. Es ist ein Kontinent aus Regionalküchen, die untereinander wenig gemein haben und die Zumutung, das jeweils andere auf der Speisekarte zu sehen, mit echter Erschütterung aufnehmen. Ein Römer, dem man Amatriciana als „typisch toskanisch“ verkauft, bekommt einen Gesichtsausdruck, der sich schwer beschreiben lässt.

Wer in der Emilia-Romagna isst, isst Mortadella, Tortellini, Lambrusco. In Kalabrien isst man scharf, kräftig, archaisch. In Venetien trinkt man Prosecco und isst Baccalà. Das alles ist „typisch italienisch“ – und vollkommen verschieden.

Was klüger wäre: Vor der Reise fünfzehn Minuten recherchieren, was die Region, in die man fährt, traditionell auf den Tisch bringt. Dann das bestellen. Nicht das, was auf der Tourismuskarte als Einziges auf Englisch übersetzt ist.

4. Sie unterschätzen die Siesta – und überschätzen sich selbst

Lungomare, die Uferpromenade in Neapel
In der Mittagshitze sind nur Touris auf Neapels Promenade.

Es ist 14 Uhr. Es ist 36 Grad. Sie wollen jetzt das zweite Museum des Tages machen. Die Italiener würden an dieser Stelle kurz innehalten und fragen: Warum?

Das Ferragosto-Prinzip – der kollektive Rückzug im August, mittags, im Schatten, mit einem Glas kühlem Weißwein – ist keine Faulheit. Es ist strukturelle Intelligenz. In der Mittagshitze durch Straßen zu laufen, die seit zweitausend Jahren Sonnenstrahlen speichern, macht aus einem Urlaub eine Ausdauerveranstaltung.

Was klüger wäre: Den Rhythmus des Landes übernehmen. Früh raus, wenn es noch kühl ist und die Städte noch leer. Mittags Pause. Abends wieder raus – dann, wenn die Einheimischen auch rausgehen, die Bars füllen und die Stunden wirklich gut werden.

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5. Sie buchen Venedig – und wundern sich über Venedig

Eine Gondel fährt ruhig durch die Wasserstraßen Venedigs, umgeben von historischen Gebäuden und einem bewölkten Himmel, während die Sonne schimmert.
Herbstzauber in Venedig.

Venedig ist außerirdisch schön, und wer noch nie dort war, sollte fahren. Aber wer schon dort war und wiederkommt, weil er beim ersten Mal „nicht wirklich was gesehen hat“ – dem sei gesagt: Das war kein Fehler der Vorbereitung. Das war Venedig.

Venedig ist so voll, dass die Stadt inzwischen Eintrittsgebühren für Tagestouristen erhebt. Die Einwohnerzahl ist in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als die Hälfte gesunken – nicht, weil es der Stadt schlecht geht, sondern weil das Leben dort für echte Menschen zunehmend schwierig ist.

Was klüger wäre: Um sechs Uhr morgens aufstehen. Nicht um sieben. Sechs. Venedig gehört in dieser Stunde noch sich selbst – die Gassen leer, der Nebel über dem Canal Grande, irgendwo ein Bäcker, der aufmacht. Das Venedig, das man auf alten Fotos sieht und für verschwunden hält, existiert noch. 

Rimini in der Emilia Romagna - der Augustusbogen
Die andere Seite von Rimini.

6. Sie fallen unangenehm auf – in der Kirche

Bedeckte Schultern, keine kurzen Hosen, leise sein: Das weiß inzwischen fast jeder. Was weniger bekannt ist, ist das Konzept der „chiesa aperta“ – der offenen Kirche, die keine Touristenattraktion sein will, sondern ein Gotteshaus, das gerade in Benutzung ist.

Wer in eine Dorfkirche tritt, während drinnen eine Messe oder ein Rosenkranzgebet läuft, und dann mit dem Smartphone die Fresken fotografiert, während Gläubige beten – das ist kein Fettnäpfchen. Das ist eine Grenzüberschreitung.

Was klüger wäre: Kurz innehalten, bevor man eintritt. Beobachten. Wenn drinnen Betrieb ist, entweder stillsetzen und warten – oder wiederkommen. Die Kirche läuft nicht weg. Sie steht seit dem dreizehnten Jahrhundert.

Tabakfelder statt Weinberge: Landwirtschaft in der Maremma
Tabakfelder: Landwirtschaft in der Maremma

7. Sie planen zu viel – und verstehen dabei, dass sie nichts verstehen

Vier Städte in sieben Tagen. Mit Zugtickets, die im Februar gebucht wurden. Mit Restaurants, die reserviert sind. Mit Museen, für die der Zeitslot bereits vor drei Monaten festgelegt wurde. Italien belohnt das nicht.

Das soll keine Propaganda für Spontaneität sein – wer ohne Reservierung im Juli in Rom auftaucht und sich wundert, dass die Borghese-Galerie ausgebucht ist, hat andere Probleme. Aber das Beste, was Italien zu bieten hat, entzieht sich der Planung. Es ist das Café auf der Piazza, bei dem man eigentlich nur kurz Wasser trinken wollte und dann zwei Stunden sitzen blieb. Die Abzweigung, die kein Schild angekündigt hat. Das Gespräch mit dem Wirt, der plötzlich eine Flasche aus dem Keller holt und erklärt: „Das ist nur für gute Gäste.“

Was klüger wäre: einen Tag einplanen, an dem nichts geplant ist. Nicht als Faulheitstag. Als Offenheitstag. Die Chancen stehen gut, dass er der Beste der Reise wird.

Buon viaggio. Und bitte: kein Cappuccino nach elf Uhr. Das war der Bonustipp. 

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