Sie stehen mitten im dichten Verkehr von Bengaluru, dösen in engen Altstadt-Gassen von Delhi und grasen auf Brachland am Stadtrand von Mumbai. Kühe gehören in Indien zum Alltag.
Für rund 80 Prozent der Inder, die dem hinduistischen Glauben angehören, ist die Kuh Gaumata – die Kuhmutter. Sie gilt als Verkörperung des Lebens selbst: Sie nimmt nicht, sie schadet nicht, sie gibt.
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Gaumata – die Kuhmutter
In der hinduistischen Mythologie ist Kamadhenu die göttliche Wunschkuh, Urmutter aller Kühe und Symbol für Fruchtbarkeit und Fülle. Gott Krishna wuchs der Überlieferung nach als Gopala auf – Hüter der Herden, Beschützer des Lebens.
Panchagavya – fünf Gaben, ein Kreislauf
Was die Kuh gibt, wird vollständig genutzt. Unter dem Begriff Panchagavya fassen Hindus seit Jahrhunderten fünf Produkte zusammen: Milch und Joghurt als Grundlage der Ernährung, Ghee als Opfergabe bei Tempelritualen, getrockneten Mist als Brennstoff und Dünger sowie Urin als Heilmittel in der Ayurveda-Praxis. Schlachtung hat in diesem Kreislauf keinen Platz.
Eine Haltung mit Geschichte
Das Füttern einer Kuh gilt als fromme Tat, Kühe haben auf der Straße Vorrang – nicht per Verkehrsregel, sondern per gesellschaftlichem Konsens. Mahatma Gandhi erhob den Kuhschutz zum Symbol des gewaltlosen Widerstands, auch als bewusste Abgrenzung gegenüber den britischen Kolonialherren. Heute ist die Schlachtung von Kühen in nahezu allen indischen Bundesstaaten gesetzlich verboten.
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