Das Formel 1-Dröhnen hört man bis zum Bahnhof in Imola. 2,3 Kilometer Fußmarsch bis zum „Autodromo Enzo e Dino Ferrari“. 100.000 Menschen in Bewegung. Das ist Formel 1 in Italien. Ein Wochenende der Emotionen…


Eine Stadt ist Formel 1. Imola, die Legende unter den Rennstrecken. Als Corona die Welt lahm legte, Reisen nach Asien unmöglich machte, weicht die Formel 1 2020 auf Imola aus. Zurück zu den Wurzeln nach 14 Jahren. Auch 2021 noch ohne Publikum, dieses Jahr voller Rennstall.
Die Prognose fürs Wochenende ist Ferrari-rot. Sonne satt, 20 Grad, ausverkaufter Corso und zwei Schönheiten in neuem Dunkelrot. Am Morgen ändert sich das Wetter: Starkregen und Böen bis zum 40 kmh. Aber das hält keinen auf.




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Mehr InformationenFormel 1 im Ferrari-Land
Formel 1 in Italien ist großes Renn-Kino. 90 Prozent der Fans tragen rot. Rote Fahnen, rote Käppis, rote Shirts . Regenjacken verschleiern die rote Gesamt-Erscheinung. Für die die keine dabei haben, steht Giuseppe (irgendwas über 70) an der Straße. Er macht das Geschäft des Jahres. Obwohl er nur Rosa im Angebot hat.
Aus einer kleinen Tasche verkauft der Rentner Einmal-Regen-Capes. Die kosten normalerweise einen Euro. Heute verkauft er sie für 10 Euro. Die Nachfrage bestimmt den Preis. Die Gemahlin steht Schmiere, aber die Guardia di Finanza (zuständig für unangemeldete Geschäftchen) ist nicht vor Ort.

Drei Tage für 90 Euro
Das günstigste Ticket kostet an diesem Wochenende 90 Euro. Ohne Sitzplatz, dafür kann man sich frei bewegen.Günstig ist nichts. Ein Panino mit Schinken kostet 10 Euro, eine Portion Pommes 6,50 Euro. Am Eingang darf man kleine Getränkeflaschen nur ohne Deckel mit reinnehmen. Experten-Fans haben einen Ersatzdeckel in der Hosentasche.
Die Stimmung rund um die Strecke vibriert. Trotz Mega-Regen. Vor dem Rennen machen hunderte Fans ein Selfie mit der Ayrton-Senna-Statue. Die brasilianische Renn-Legende verunglückte 1994 beim Großen Preis von San Marino in Imola. Flaggen aus der ganzen Welt zieren seine Gedenkstätte heute.


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Formel 1 in Italien ist international und friedlich. Selbst aus Australien und Mexiko sind Fans angereist. Vor dem Rennen wird die italienische Nationalhymne gespielt. Die Mehrheit der 100.000 singt mit. Gänsehaut und Emozioni Grandi. Dann fliegt der Stolz der italienischen Luftwaffe auf. Die Frecce Tricolori sprühen grün weiß rot in den Himmel.
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Kurze Aufregung am Gatter direkt gegenüber der Boxengasse. Hier hatten sich dutzende Fans im und am Zaun positioniert. Zwei Minuten vor Rennstart teilt ein Ordner mit, dass man hier nicht stehen darf. Viel Gestik, eine kurze Empörung, dann wieder Ruhe. Formel 1 ist friedlich. Fast die Hälfte des Publikums ist weiblich, viele sind mit Kindern da.

Formel 1 in Italien ist Familie
Formel 1 verbindet. Als eine mittelsportliche junge Frau alle Mühe hat, auf eine sechs Meter hohe Mauer zu kommen, helfen Dutzende mit. Die Hälfte mit guten Ratschlägen, die andere für den Fall der Fälle als Sprungtuch. Aus der Ferne sieht das riskant aus. Aber am Ende sitzt sie oben und hat den hervorragenden Blick…
…nur übertroffen von denen, die die Sicherheitsmauer in der Tamburello-Kurve hochgeklettert sind, jetzt unterm Stacheldraht auf die Strecke schauen. Gemütlich sieht das nicht aus. Aber nicht einer weicht einen Millimeter. Auch das ist Formel 1 in Italien.

„Wenn du im Stacheldraht hängen bleibst, musst du immer vor und zurück, bloß nicht ziehen“, erklärt einer. Man passt auf sich auf. Und bleibt gut zwei Stunden so stehen, mit verdrehtem Fuß. Es gibt keine Schmerzen, wenn Ferrari fährt…
…zumindest keine körperlichen. So ist das bei Formel 1 in Italien. Dann fliegt kurz nach dem Start Ferrari-Pilot Carlos Sainz von der Strecke. Der kommt auf einmal durch ein Nebentor an der Strecke raus. Trotz Pleite bejubeln die Fans ihn, dutzende Schulterklopfer, als hätte er gewonnen.
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Fazit: einfach Wow!
Ein Paar Runden vor Rennende verliert der zweite Ferrari-Fahrer Charles Leclerc seinen Podiumsplatz. Das Ende des roten Traums in Imola. Kurze Depri-Stimmung, aber Formel 1 live ist einfach zu beeindruckend. Auch für die, die eigentlich keine Fans sind.
Fazit des Wochenendes: Wow! Ein bisschen schwerhörig und fix und fertig. Emotional und körperlich – allein am Sonntag 17 Kilometer zu Fuß. Formel 1 in Italien lohnt sich auch für Nicht-Formel-1-Fans.
Unser Best of Formel 1 in Italien…
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Mehr InformationenPferdestärken vereinigt in Imola…
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Mehr InformationenNichts geht mehr auf den Bahnsteigen in Imola nach dem Rennen
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Mehr InformationenWenn 100.000 die Rennstrecke stürmen…
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Mehr InformationenBest of Formel 1 in Imola: ein fantastischer Tag!
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geschrieben von Annie Kayser, zuerst veröffentlicht am 29. April 2022, aktualisiert am 10. September 2022
Titelbild: Imola, Rennstrecke / LA BELLA VITA club (Kayser)
Quelle: Live-Report von vor Ort (Imola, Italien)





