Bari in Apulien: Eine Altstadt, die nach frischer Wäsche riecht

Bari ist Apuliens Hauptstadt und doch lange unterschätzt worden. Dabei ist Bari Vecchia ein mittelalterliches Geflecht zwischen altem Hafen und offener Adria. Hier lebt man noch im Erdgeschoss, mit offener Tür zur Gasse.

Die Wege sind schmal, die Häuser hell verputzt, darüber gespannte Leinen mit frischer Wäsche. Plastikstühle vor den Eingängen, ein kurzer Gruß, ein Blick aus dem Fenster gegenüber. Bari Vecchia ist kein Museumsviertel. Rund 3.000 Menschen wohnen hier, viele Familien seit Generationen. Zwischen Kathedrale und Normannenburg (Castello Svevo) findet das wahre Leben statt.

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Die Hausfrauen und ihre Öhrchennudeln

In der Strada Arco Basso, inzwischen weit über Social Media hinaus bekannt, werden täglich Orecchiette von Hand gefertigt. Mehl aus Hartweizengrieß, Wasser, eine schnelle Bewegung mit dem Messer, ein Daumendruck – fertig ist das „Öhrchen“. Die Szene ist fotografiert worden wie kaum eine andere in Apulien, und doch bleibt sie Teil realer Alltagsökonomie. Orecchiette alle cime di rapa – mit Stängelkohl, Knoblauch, Olivenöl und oft Sardellen – sind das Referenzgericht der Stadt. Die leichte Bitternote des Gemüses trifft auf die feste, raue Pastaoberfläche, die Sauce haftet ohne Überfluss.

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Mit dem heiligen Nikolaus kam der Ruhm

Ohne den heiligen Nikolaus wäre Bari nicht das, was es heute ist. 1087 brachten Seefahrer seine Gebeine aus Myra (im heutigen Türkei) in die Stadt. Die romanische Basilika San Nicola wurde eigens für die Reliquien errichtet und entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas. Bis heute pilgern orthodoxe Gläubige aus Russland, der Ukraine oder Rumänien hierher; der Heilige verbindet Ost- und Westkirche wie kaum eine andere Figur. Der 9. Mai, Festtag der Überführung der Reliquien, prägt das religiöse Jahr der Stadt. Wallfahrt und später Badegäste machten Bari zum Urlaubsziel.

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Die Küche kommt aus dem Meer

Kulinarisch zeigt sich die Stadt pragmatisch. Focaccia barese – dicker Hefeteig mit Tomaten, Oregano und schwarzen Oliven – gilt als bester Snack zwischen Markt und Meer. Tiella barese kombiniert Reis, Kartoffeln und Miesmuscheln in einer Auflaufform, ein Gericht, das Land- und Meeresküche verbindet. Dazu roher oder nur kurz marinierter Oktopus, Seeigel im Winter, frittierte Panzerotti. Vieles ist einfach, entscheidend ist die Qualität des Olivenöls aus dem Umland.

Drei lohnende Ausflüge liegen weniger als eine Auto-/Busstunde entfernt:

  • Polignano a Mare (35 km) mit seiner spektakulären Lage auf Kalksteinklippen und der Bucht Lama Monachile.
  • Alberobello (55 km), UNESCO-Welterbe, mit über 1.500 Trulli – Trockenbauten mit kegelförmigem Dach, entstanden aus pragmatischen Steuertricks des 17. Jahrhunderts.
  • Matera (65 km), bereits in der Basilikata, dessen Sassi-Höhlenwohnungen zu den ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungen der Welt zählen und 2019 Kulturhauptstadt Europas waren.

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