Was für ein Wow-Anblick: Pietrapertosa in Basilikata Foto: stock.adobe.com/SeanPavonePhotoi
Von unserer Redaktion
Wer das Land abseits von Strandliegen, Selfiesticks und Stadtführungen erleben will, macht sich am besten auf den Weg. Zu Fuß. Denn zwischen Alpenkämmen, Hochebenen und Olivenhainen liegen kleine Orte, die nicht von Sehenswürdigkeiten leben, sondern von Atmosphäre.
Das echte Italien hat kein Schild am Eingang – aber manchmal einen Trampelpfad. Wer durch diese Orte wandert, erlebt ein Italien, das gewachsen ist: schmale Pfaden, alte Mauern, natürliche Aussichtspunkten ohne Geländer – und Mahlzeiten, die oft einfach, aber ehrlicher nicht sein könnten. Diese Dörfer lassen sich in Tages- oder Mehrtagestouren erwandern und bieten Anschluss an regionale Wanderwege.
Das Gefühl, auf das die Welt neidisch ist
1. Castelmezzano & Pietrapertosa in Basilikata

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Die beiden Dörfer Castelmezzano und Pietrapertosa zählen zu den spektakulärsten Orten Süditaliens – weniger durch ihre Größe, mehr durch ihre Lage. Sie schmiegen sich an die zerklüfteten Felsen der „Lucanischen Dolomiten“, einer Gebirgskette, die optisch an die Alpen erinnert, klimatisch aber typisch südlich geprägt ist: trocken, windig, aromatisch.
Der Weg der sieben Steine
Verbindendes Element ist der „Sentiero delle Sette Pietre”, ein Wanderweg namens sieben Schritte, der auf zwei Kilometern Länge durch eine spektakuläre Felslandschaft führt: Von Castelmezzano geht es von einer Höhe von 925 Metern runter ins Tal ins Tal des Torrente Caperrino auf 660 m und steigt dann wieder auf 770 m nach Castelmezzano an. Der Weg kann in beide Richtungen gewandert werden.
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Die Seilbahn für ganz Wagemutige
Wer sich traut, kann mit der Volo dell’Angelo, einer Seilrutsche zwischen den beiden Dörfern, auf 400 Metern Höhe durch die Schlucht fliegen. Wer es ruhiger mag, erklimmt die Ruinen der normannischen Burg in Castelmezzano oder folgt alten Hirtenwegen bis zum Monte Caperrino.

Mystischer Wanderweg
Der Wanderweg ist auch ein Begegnung mit den regionalen Legenden und Erzählungen. Die Grundlage für den Themenweg ist das Buch „Vito tanzte mit den Hexen“ von Mimmo Sammartino. Es gibt sieben Stationen, an denen jeweils eine Skulptur aus Stein zu sehen ist – jede steht für ein zentrales Wort aus der Geschichte: Schicksale, Zauber, Fluch, Hexen, Flug, Tanz, Rausch. Daraus ergibt sich auch der Name „Weg der sieben Steine“.
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Kulinarische Köstlichkeiten
Die Region ist auch kulinarisch ein Geheimtipp: hausgemachte Pasta wie Strascinati (größere Öhrchennudeln), Lammgerichte und der lokale Rotwein Aglianico del Vulture prägen die Küche. Ideal für Wandernde, die Einsamkeit und Ursprünglichkeit suchen – und dabei echtes Leben im Bergdorf erleben möchten.
- Lage: Nationalpark Gallipoli Cognato – Dolomiti Lucane
- Höhenunterschied: 229 m
- Wandertipp: Sentiero delle Sette Pietre (2 km – eine Strecke)
- Dauer: gut 1,5 Stunden
- Schwierigkeitsgrad: einfach
- Hinweise: Es gibt keinen ÖPNV für den Rückweg und wenig Schatten auf der Strecke (genug zu trinken mitnehmen).
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Mehr Informationen (externe Links)
- Comune di Castelmezzano
- Comune di Pietrapertosa
- Tourismusseite Basilicata
- Die Seilbahn zwischen den Dörfern
- Der Nationalpark Gallipoli Cognato
- Hier der Wanderweg auf Komoot
2. Civita in Kalabrien

Civita gehört zu den ältesten Arbëresh-Dörfern Italiens – gegründet im 15. Jahrhundert von albanischen Flüchtlingen, die ihre Kultur bis heute pflegen. Das kleine Dorf mit nur rund 1.000 Einwohnern liegt spektakulär über der Raganello-Schlucht, einem der beeindruckendsten Canyons Süditaliens. Von der berühmten Ponte del Diavolo blickt man 30 Meter in die Tiefe auf das wilde Flussbett.
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Nur mit Führer in die Schluchten
Der Parco Nazionale Pollino ist der größte Naturpark Italiens. Der Rund-Wanderweg beginnt am Aussichtspunkt Belvedere in Civita, wo man ein einmaliges Panorama auf das Tal bewundern kann. Die Route verläuft Richtung Ponte del Diavolo, um dann an die Schluchten des Flusses Raganello zu gelangen. Der Zutritt zu den Schluchten ist nur mit Führern und von Juni bis einschließlich September gestattet.

Ein Dorf wie ein Museum
Das Dorf selbst ist fast museal erhalten: schmale Gassen, Steinhäuser mit orientalisch anmutenden Kaminen, und eine byzantinische Kirche mit Ikonostase. Kulinarisch ist Civita eine Wucht: Lagane e ceci (hausgemachte Pasta mit Kichererbsen), würzige Ricotta und Peperoncino sind Klassiker, ebenso der intensive Rotwein aus der Umgebung.
- Lage: Pollino-Nationalpark
- Höhenlage: 450 m
- Wandertipp: Rundweg Civita – Raganello-Schlucht (3,9 km)
- Dauer: knapp 2 Stunden
- Schwierigkeitsgrad: einfach
- Hinweis: Der Zutritt zu den Schluchten ist nur mit Führern und von Juni bis einschließlich September gestattet, für Kinder unter 10 Jahren und nur für Gruppen von maximal 20 Personen verboten.
Mehr Informationen (externe Links)
3. Vogogna im Piemont

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Vogogna ist ein mittelalterlicher Geheimtipp am Eingang zum Val Grande, dem größten Wildnisgebiet Italiens. Schon bei der Ankunft fällt das Castello Visconteo ins Auge – eine wuchtige Festung aus dem 14. Jahrhundert, die heute als Ausstellungsort dient. Das Dorf selbst hat seinen Charakter bewahrt: Pflastergassen, verwitterte Portale, Blumenkästen an jeder Ecke.
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Von hier aus lassen sich verschiedene mehrtägig Wanderungen unternehmen. Historisch ist der Große Walserweg, die Traccia dei Walser – ein Weg, der alten Siedlungsrouten der Walser, einer deutschsprachigen Volksgruppe, die hier im Mittelalter lebte. Der Weg führt durch das Piemont, Aostatal und durchs Schweizer Tessin. Die 153 Gesamtlänge können auf 11 Etappen zurückgelegt werden. Besonders eindrucksvoll im Herbst, wenn sich die Kastanienwälder gold färben.

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Wer hier abends von der Wanderung zurückkommt, kann in einer der Osterie Polenta mit Wildschwein oder Gnocchi al Bettelmatt (mit lokalem Bergkäse) genießen. Und wer länger bleibt, kann sich auch Domodossola nebenan anschauen – ebenfalls ein charmanter Ort für Wanderfreunde.

- Lage: Val d’Ossola, Provinz Verbano-Cusio-Ossola
- Höhenlage: ca. 250 m
- Wandertipp: Rundwanderweg nach Colloro (9,8 km)
- Dauer: 3,3 Stunden
- Höhenmeter: 350 Meter
- Schwierigkeitsgrad: mittel (gute Grundkondition erforderlich, Wege sind überwiegend gesichert)
Mehr Infos (externe Links)
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