Von unserer Redaktion
Rom – Leidenschaftlich und wild, statt brav und sittsam: Gina Lollobrigida brachte die unterkühlten blonden Hollywood-Schönheiten ins Schwitzen. Sie war die Gallionsfigur einer neuen Ära im Kino. Ein Leben wie im Film.
Ein Lebensende im Streit
„In meinem Alter sollte ich eigentlich ein bisschen Frieden haben. Aber den habe ich nicht. Ich bin müde. Man sollte mich in Frieden sterben lassen“, sagte die italienische Filmdiva schon im Herbst 2021. Damals war sie Gast der italienischen Star-Moderatorin Mara Venier.
In ihren letzten Lebensjahren litt Gina Lollobrigida unter familiären Streitigkeiten. Die Diva hatte ein extremes enges Verhältnis zu ihrem Assistenten Andrea Piazolla. In einer Fernsehsendung sagte sie, dass der Assisten ihr „größtes Glück“ und „wie ein Sohn“ sei. Ihr eigener Sohn vermutete allerding, dass der Assistent seine hoch betagte Mutter manipuliere.
2021 bestätigte Italiens Oberstes Gericht ein Urteil, wonach ab sofort ein Vormund über das Vermögen wachen sollte. Die Schauspielerin brach daraufhin den Kontakt zu Sohn und Enkel ab.

Eine Ikone des Films
Gina Lollobrigida war eine Ikone des internationalen Films. Ein Weltstar. Galt schon zu Beginn ihres Lebens als „schönstes Kind Italiens“. Bereits als Dreijährige nahm sie an Schönheitswettbewerben teil. Als bildschöner Teenagerin wurde sie für den Film entdeckt. Am Anfang der goldenen Zeit von „Cinecittà“, das little Hollywood in Rom.
Lollo oder Gina Nazionale, wie sie genannt wurde, ist im weitesten Sinne italienisches Nationalheiligtum. Ihre große Zeit waren die 50er und 60er Jahre: Sie galt als das Sexsymbol von Generationen. Drehte Filme wie am Fließband. Zum Höhepunkt ihrer Schauspielkarriere stand sie in Hollywood vor der Kamera, drehte mit Stars wie Anthony Quinn und Frank Sinatra.
Eine Diva mit Prinzipien
Italien liebte seine Diva, nicht zuletzt, weil neben Glamour auch Prinzipien hatte. Anfang der 70er Jahre gab sie die Schauspielerei auf. Später erklärte sie den Grund: Sie wollte sich nicht mehr ausziehen, deshalb habe sie keine Rollen mehr bekommen. Danach arbeitet sie erfolgreich als Fotografin und Dokumentarfilmerin.
Gina Lollobrigida fotografierte Persönlichkeiten wie das brasilianische Fußballidol Pelé, Ronald Reagan, Hollywood-Star Paul Newman, Künstler Salvador Dalí und auch die deutsche Fußballnationalmannschaft. Sie drehte eine weltweit beachteten Dokumentarfilm über den kubanischen Revolutionär Fidel Castro. Später arbeitete sie auch als Bildhauerin.

Foto: CHROMORANGE / franz perc / Alamy Stock Photo
Engagement bis zum Schluss
Gina Nazionale hatte immer auch ein großes Herz. Sie engagierte sich jahrelang als Botschafterin für Unicef und Unesco, außerdem für Ärzte ohne Grenzen. 2013 versteigerte sie einen Teil ihrer Schmucksammlung zu Gunsten der Stammzellenforschung, ein Millionenbetrag.
Bis zuletzt wollte sie ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Noch im vergangenen Jahr hatte sie sich bei den vorgezogenen Parlamentswahlen in Italien für eine linke Splittergruppe aufstellen lassen. Die Gruppierung scheitere allerdings an der drei-Prozent-Hürde.
Im Januar 2023 starb Gina Lollobrigida im Alter von 95 Jahren
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