Von. unserer Redaktion
Kampanien ist das Land in Italiens Süden, das alles hat. Inoffiziell das beste Essen der Welt in Neapel, mit der Amalfiküste eine der schönsten Küsten der Welt, mit Pompeji eine der spannendsten Ausgrabungsstätten der Welt.
Während die Insel Capri und die Pizza Margherita internationale Stars sind, gibt es in Kampanien auch noch viele fast unberührte Ecken zu entdecken.
- Momentaufnahmen aus Kampanien
- Kampaniens bewegte Vergangenheit
- Kampaniens Landschaften: mehr als Amalfiküste
- Das inoffiziell beste Essen Italiens
- Das Klima in Kampanien: Das beste Reisewetter
- Hier geht Natur mit Kultur: Unesco-Weltkulturerbe
Die Region ist rund um Neapel nicht nur die am dichtesten besiedelte in Italien, sondern auch ein einmaliger Schmelztiegel aus Geschichte, Natur, Kultur und Kulinarik. Kampanien liegt am unteren Schienbein des Stiefels und ist Heimat für knapp 6 Millionen Menschen. Die meisten davon wohnen im Großraum Neapel. Und über allem thront mit 1.281 Metern der Vesuv, bis heute ein Symbol für die unkontrollierbare Kraft der Natur.
Momentaufnahmen aus Kampanien







Kampaniens bewegte Vergangenheit
Die Geschichte Kampaniens ist lang. Von den antiken Römern liebevoll „Campania felix“ – die glückliche Landschaft – genannt.
Die Region hat eine bewegte Vergangenheit, die bis in die antike Zeit der Osker zurückreicht. Kampanien war fruchtbar und reich an Fisch, dazu Wasser satt, eine strategische Lage am Mittelmeer, hier ließen sich viele Fremdherrscher gerne nieder. Die Griechen blieben gleich mehrere Jahrhunderte. Ab 500 v. Chr. begannen sie mit dem Bau von Neapolis, der neuen Stadt, die sich zu einer wohlhabenden Stadt am Mittelmeer entwickelte.
Bis zur Gründung der italienischen Königreiches 1861 wurde Kampanien immer wieder von fremden Herrschern erobert: Die Liste ist lang – die alten Römer vertrieben die Griechen, dann kamen die Odoaker, die Ostgoten, die Byzantiner, die Langobarden, die Normannen und dann die Stauffer. Dann kamen unter anderem noch die Spanischen Habsburger, die österreichischen Habsburger und die Bonapartisten. Alle Völker haben ihre Spuren in Kampanien hinterlassen.
Der Staufenkönig Friedrich II. gründete zum Beispiel die Universität Neapels, die damals erste staatliche Hochschule Europas. Die Ruinen von Pompeji und Herculaneum bieten einen faszinierenden Einblick in das Leben der Antike, während der prunkvolle Palast von Caserta ein Zeugnis der Bourbonen ist.
Kampaniens Landschaft







Von zerklüfteten Küsten bis zu sandigen Strände, von fruchtbaren Tälern bis zu kargen Bergen: Kampanien hat eine extreme Vielfalt.
Von Wäldern mit Wölfen bis zur Amalfiküste
Die Apenninen im Norden Kampaniens sind touristisch kaum erschlossen. Der „Parco Regionale del Matese“ im Gebirgsmassiv ist Heimat von Wolfen und Steinadlern. Das Matese-Massiv hat eine abwechslungsreiche Fauna, von alpinen Hochwiesen bis Mischwäldern, entsprechend vielfältig ist die Tierwelt. Südlich davon liegt die Ebene von Neapel, in der es dank der explosiven Vergangenheit des Vesuvs besonders fruchtbare Böden gibt, außerdem dampfende Krater und heiße Quellen in den Phlegräischen Felder. Die Berghänge des Vesuvs bieten ideale Bedingungen für den Anbau von Wein, Oliven, Tomaten und anderen landwirtschaftlichen Produkten.
Ganz anders die Situation an der weltberühmten Amalfiküste weiter südlich, wo das dunkle Blau des Tyrrhenischen Meeres auf spektakuläre Klippen trifft. Terrassenförmig angelegte Orte wie Amalfi oder Positano, die im Sommer so überlaufen sind, dass der Zufluss von den Behörden geregelt werden muss – die im Winter aber ein ganz anderes Gesicht zeigen. Das sorrentinische Hinterland ist geprägt durch grüne Ebene mit Olivenhainen und Weingütern.
Das authentische Kampanien ganz im Süden
Südlich von Salerno fängt das authentische Kampanien an: fast keine ausländische Touristen, fast keine „Touristen-Preise“. Der Nationalpark Cilento ist einer der letzten Geheimtipps im Süden Kampaniens: wunderschöne Strände wie Palinuro oder Marina de Camerota, Olivenhaine, dicht bewaldete Berge mit vielen Bächen, dazu antike Stätten wie Paestum und Velia. Die Küstenstraße nach Acqua Fredda ist genauso spektakulär wie die in Amalfi, bei maximal zwei Prozent der Besucher. Die Kampanische Ebene, besonders die Provinzen Caserta und Salerno sind bekannt für ihre saftige Weideflächen und das feuchte Klima, das ideal für die Haltung von Wasserbüffeln.
Das inoffiziell beste Essen Italiens






Ein Besuch in Kampanien verpflichtet zu ausführlichen Probierrunden der lokalen Küche.
Die Region Kampanien hat Pizza als Gericht weltberühmt gemacht. Das Wort „Pizza“ ist eines der wenigen Wörter, die in jedem Land der Erde verstanden werden. Neapolitanische Pizza ist sogar UNESCO-Kulturerbe. Tatsächlich ist die Küche Kampaniens aber viel mehr als Pizza: Durch die Lage zwischen Bergen und Meer gibt es das volle Programm „monte e mare“.
Die fruchtbare Erde der Region sorgt für eine Fülle an frischen Produkten, von saftigen Tomaten bis hin zu erstklassigem Olivenöl. Der Weinbau hat hier ebenfalls eine lange Tradition. Die Weine aus Kampanien, wie der Taurasi oder der Greco di Tufo, sind Exportschlager. Auch einer der beliebtesten Käse der Welt kommt aus Kampanien: der Büffelmozzarella, die Mozzarella di bufalla. Fisch- und Meeresfrüchteliebhaber kommen in Kampanien fangrisch auf ihre Kosten.
Klassische Gerichte der Königin im Süden sind neben Pizza Spaghetti alle Vongole (Spaghetti mit Venusmuscheln) oder Parmigiana di Melanzane (Auberginenauflauf mit Tomaten, Parmesan und Mozzarella). Es gibt eine quasi unendliche Auswahl an Süßwaren in allen Variationen. Ein typisches Gebäck aus Neapel ist die Sfogliatella, ein knuspriges Blätterteighörnchen mit süßen Ricotta mit kandierten Früchten gefüllt.
Das Klima in Kampanien: Das beste Reisewetter
Kampanien hat ein typisch mediterranes Klima mit milden, feuchten Wintern und heißen, trockenen Sommern.
Im Frühling (März bis Mai) liegen die Temperaturen zwischen 15 und 22 Grad Celsius. Diese Jahreszeit ist ideal für Sightseeing, Wandern und für die blühenden Zitronenbäume. Insbesondere an der Amalfiküste und auf der Sorrentinischen Halbinsel duftet es überall nach Zitronenblüten. Die großen Touristenströme haben noch nicht eingesetzt.

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Im Sommer steigen die Temperaturen vor allem an der Küste und im Flachland auf mehr als 30 Grad, in den letzten Jahre im Juli und August deutlich drüber. Diese Monate sind in Kampanien vor allem bei Strandurlaubern und Wassersportlern beliebt. Die Amalfiküste und Capri wird dann vom internationalen Jet-Set – in der Regel per Yacht – angesteuert. Im Hinterland finden vor allem im August in vielen Dörfern fast täglich Feste statt.
Im Herbst (September bis November) sind die Temperaturen mild, in der Regel zwischen 18 und 25 Grad Celsius, ideal für Besichtigungen und andere Aktivitäten im Freien. Das Meer ist in der Regel noch warm genug, um mindestens bis in den Oktober hinein zu schwimmen. Im Herbst gibt es vor allem auf dem Land Weinfeste und man kann die Olivenernte erleben.
Im Winter (Dezember bis Februar) bleiben die Küstenregionen relativ mild mit Temperaturen zwischen 8 und 15 Grad Celsius, während es in den Bergen kühler wird und sogar Schnee fallen kann. Besonders im November und Dezember fällt viel Regel. In dieser Zeit bietet sich ein Besuch von Neapel mit seinen Museen, Kirchen und den Katakomben an. Auch die dann in der Regel wenig überlaufenen Themen auf Ischia sind ein wetterfestes Reiseziel. Es gab aber zuletzt schon so milde Winter, dass
Weltkulturerbe: Natur mit Kultur in Kampanien





Kampanien ist für seine historischen Stätten und spektakulären Landschaften bekannt. Die Unesco hat sechs Orte der Region zum „Weltkulturerbe“ ernannt:
- Historisches Zentrum von Neapel (1995): Durch die Lage am Golf von Neapel hatte die Stadt über Jahrtausende einen großen Einfluss auf den Rest Europas und war schon bei den alten Griechen und den alten Römern ein bedeutendes Zentrum. Von der Neapolis, die 470 v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet wurde, bis zur heutigen Stadt hat Neapel den Einfluss der aufeinanderfolgenden Kulturen, die in Europa und im Mittelmeerraum entstanden sind, bewahrt. Dies macht die Stadt zu einem einzigartigen Ort mit einer Fülle herausragender Denkmäler.
- Archäologische Stätten von Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata (1997): Als der Vesuv am 24. August 79 n. Chr. ausbrach, verschüttete er die beiden blühenden römischen Städte Pompeji und Herculaneum und andere Siedlungen in der Umgebung. Diese wurden seit Mitte des 18. Jahrhunderts nach und nach ausgegraben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die weite Ausdehnung der Handelsstadt Pompeji steht im Kontrast zum kleineren, aber besser erhaltenen Ferienort Herculaneum, „Ercolano“ auf Italienisch. Im früheren römischen Reichenort Torre Annunziata beeindruckt vor allem der opulente Lebensstil in der Villa Oplontis. Diese römische Villa, auch als „Villa di Poppea“ bekannt, soll der Legende nach Poppaea Sabina, der zweiten Frau von Kaiser Nero, gehört haben.
- Amalfiküste (1997): Die Amalfiküste liegt auf der Südküste der Sorrentinischen Halbinsel und ist dank ihrer außergewöhnlichen Landschaft weltberühmt. Auf steilen Felsen vor blauem Meer haben die Menschen überall dort gbaut, wo sie Platz fanden, was die heute einmalige Architektur ergibt. Die Küste ist geprägt von Felsen, aber auch Wäldern und Sträuchern, genauso wie von Zitronenhainen und Weinbergen.
- Palast von Caserta mit Park mit dem dazugehörigen Aquädukt von Vanvitelli und dem San Leucio-Komplex (1997): Der monumentale Komplex in Caserta mit dem der Bourbonenkönig Karl III. mitte des 18. Jahrhundertes mit Versailles konkurrieren wollte, verbindet einen Palast mit Park und Gärten, natürlichen Wald, Jagdschlösser und eine Seidenfabrik, dem San Leucio-Komplex. Hier versuchte König Ferdinand IV. von Bourbon eine idealistische Arbeitergemeinschaft mit Wohnungen, Schulen, Gesundheitszentrum und mehr zu schaffen. Eine Symbolgesellschaft, die auf den Werten Arbeit und Gleichheit basierte. Alles wurde versorgt über ein eigene, 38 Kilometer lange Wasserleitung versorgt. 529 Meter sind davon perfekt erhalten.
- Nationalpark Cilento und Vallo di Diano mit den archäologischen Stätten Paestum und Velia und das Kartäuserkloster in Padula (1998): Der Nationalpark ist eine von mehreren Flusstälern durchzogene Bergregion, die zum Tyrrhenischen Meer hin abfällt. Der Cilento war die Grenze zwischen den griechischen Kolonien von Magna Graecia und den einheimischen Völkern. Der Bau der Certosa di San Lorenzo in Padula begann im Jahr 1306 und dauerte 450 Jahre: Die barocke Anlage ist beeindruckende 250.000 Quadratmeter groß.
Ein zweites Juwel im Süden ist übrigens Apulien: Das bietet 2.500 Sonnenstunden im Jahr und mehr als 60 Millionen Olivenbäume – aber noch viel mehr. Massen an Touristen findet man nur an ausgewählten Hotspots. Wer auf Frisches aus dem Meer steht, sollte unbedingt hin.
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