Aus diesen Reben wird mal Rotwein Foto: stock.adobe.com/wideonet
Chianti – das ist ein Rotwein, ein Landstrich, ein Mythos. Und auch, wenn man sich für Wein eigentlich nicht interessiert: An diesem Teil der Toskana kommt man kaum vorbei.
Chianti ist kein einzelner Wein, sondern ein ganzes Gebiet – genauer gesagt: ein Weinbaugebiet mit rund 70 % Anteil der Rebsorte Sangiovese, der Hauptdarstellerin unter den roten Reben Italiens. Der klassische Chianti entsteht im Herzen der Toskana, zwischen Florenz, Siena, Arezzo und den Hügeln von Pisa. Über eine Million Hektoliter werden jedes Jahr produziert – das entspricht etwa 133 Millionen Flaschen. Ein Viertel aller toskanischen Weine ist ein Chianti.
Der klassische Toskana-Look
Aber so technisch diese Zahlen klingen, so sinnlich ist der Ort selbst. Rund um Orte wie Greve in Chianti, Radda, Castellina, Gaiole oder Volpaia liegen die Weinberge wie Teppiche über den Hügeln. Zypressen säumen die Straßen, Kastanienwälder wechseln sich mit Rebzeilen ab. Dazwischen: Bauernhöfe, Burgen, kleine Dörfer, in denen sich Geschichte und Alltag unaufgeregt vermischen. Die berühmte Weinstraße im Chianti-Gebiet ist die Chiantigiana (SR 222). Sie ist etwa 70 Kilometer lang und verbindet Florenz und Siena und führt dabei mitten durch das Herz der historischen Weinregion Chianti Classico.
Unterwegs im Valle del Chianti
Für alle Sinne
Wer durch das Chianti-Gebiet reist, erlebt Italien in seiner vielleicht eindrücklichsten Form. Es ist nicht laut und nicht schnell. Hier wird gegessen, was die Saison hergibt, getrunken, was der Boden hergibt – und erzählt, was das Dorf hergibt. In Orten wie Impruneta, bekannt für seine Herbstfeste rund um die Weinlese, oder im malerischen Montefioralle, wo es aussieht, als hätte seit dem 15. Jahrhundert niemand das Kopfsteinpflaster erneuert, wirkt die Welt fast zeitlos.
In diesen Landschaften entstehen die verschiedenen Varianten des Chianti: vom jungen, unkomplizierten Tischwein bis zum eleganten, gereiften Chianti Classico Riserva. Immer im Spiel: die Sangiovese-Traube, oft ergänzt durch Canaiolo oder uch Malvasia Nera. Die Mischung variiert leicht von Ort zu Ort, aber das Prinzip bleibt: trocken, klar, ehrlich.
Unterwegs in Florenz
Die Technik hinter dem Mythos
Damit ein Wein „Chianti“ heißen darf, muss er eine offizielle Zulassung als DOCG-Wein erhalten. DOCG ist ein Gütesiegel, eine italienische Herkunfts- und Qualitätskontrolle, die bestimmte Standards beim Anbau, bei den Rebsorten und bei der Herstellung vorschreibt. Ein Chianti muss mindestens 70 % der Rebsorte Sangiovese enthalten, der Classico mindestens 80 Prozent. Er reift je nach Variante unterschiedlich lang und wird entweder in Stahltanks oder in Holzfässern ausgebaut.
Als Riserva dürfen Chianti DOCG und Chianti Classico nur bezeichnet werden, wenn der Wein mindestens 24 Monate gereift wurde, davon mindestens 3 Monate in der Flasche erfolgen. Die hochwertigste Kategorie ist der Chianti Classico Gran Selezione – mit noch strengeren Kriterien, wie einer Lagerung von mindestens 30 Monaten.
Bemerkenswert ist eine traditionelle Anbaumethode, die einige Winzer:innen noch anwenden: Sie pflanzen ihre Rebsorten gemischt im Weinberg – in genau dem Verhältnis, in dem sie später verarbeitet werden. Der Boden, meist kalkhaltiger Mergel, sorgt dafür, dass das Wasser gut abläuft und die Wurzeln tief wachsen. Alles andere ist Handwerk und Geduld.
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Landschaft mit Geschmack
Chianti ist mehr als nur ein Schluck Rotwein – er ist Teil einer Landschaft, die sich selbst sehr ernst nimmt und gleichzeitig charmant bodenständig bleibt. Man isst hier Ribollita (eine rustikale Gemüsesuppe mit altem Brot), Crostini mit Leberpaté, Pecorino aus der Region, dazu Wildschwein oder ein Rindersteak vom Grill (mehr zum Essen in den Regionen hier). Der Wein passt dazu – immer.
Auch wer keinen Alkohol trinkt, kann sich im Chianti wohlfühlen: Wanderwege, historische Dorfkerne, kleine Kapellen, Romanik und Renaissance, Kastanienwälder, Wildblumenwiesen, Kochkurse, Märkte, Klöster. Der Chianti ist eine Gegend, in der das Leben einfach ein bisschen schöner aussieht. Und manchmal auch ein bisschen besser schmeckt.
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