Italienischer kann man nicht fahren: Die Geschichte der Vespa

Fotosession mit Vespa vor dem Kolosseum in Rom

Von unserer Redaktion

Das ultimative Gefühl von Freiheit! Der warme Wind auf der Haut, das Knattern im Ohr – und nie Probleme mit dem Parken. Seit ihrer Geburt steht die Vespa nicht nur für Mobilität, sondern auch für ein Lebensgefühl – und Unabhängigkeit. Die ganze Geschichte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Italien in Trümmern. Industrie und Verkehr lagen am Boden, und Autos waren für die meisten unerschwinglich. Piaggio, ursprünglich ein Flugzeughersteller, suchte nach einer Lösung, um Menschen wieder mobil zu machen. Inspiriert von den kleinen Frachtrollern der US-Armee, die über Flugfelder flitzten, beauftragte Enrico Piaggio den Ingenieur Corradino D’Ascanio, ein ähnliches Fahrzeug zu entwickeln. Was für Ausmaße die Erfindung nehmen würde, ahnte damals niemand.

Was die Vespa so besonders machte

Ingenieur D’Ascanio hatte keine Erfahrung mit Zweirädern, und genau das war in dem Fall ein Glücksfall. Der Ingenieur, bekannt für den Bau des ersten italienischen Hubschraubers, brachte frischen Wind in die Rollerwelt. Er setzte einen 3-PS-Zweitaktmotor, der normalerweise zum Starten von Flugzeugtriebwerken verwendet wird, direkt auf ein Roller-Hinterrad. Der Lenker kam auf das Vorderrad, das nur an einer Gabel aufgehängt war, ähnlich wie bei einem Flugzeug.

Das Design war revolutionär: Die Vespa wurde nicht einfach zusammengebaut, sie wurde geformt – aus robustem Blech, das die italienische Leichtigkeit und Eleganz verkörperte. Die Vespa war nicht nur ein technisches Meisterwerk. Sie war praktisch: Der breite Durchstieg ermöglichte es, auch in Kleidern oder Röcken bequem zu fahren, und der eingebaute Wetterschutz sorgte dafür, dass man nicht gleich bei jedem Regentropfen durchnässt war.

die erste vespa
Die Vespa-Väter: Corradino D’Ascanio (2 v.l.) and Enrico Piaggio (2 v.r.)
Foto: Piaggio

Vespa-Modelle, die Geschichte schrieben

Die erste Vespa, Modell 98, wurde 1946 vorgestellt – die Italiener waren erstmal nicht begeistert. Viel zu rund sah das neue Gefährt aus, damals ungewöhnlich. „Er sieht aus wie eine Wespe“, soll Piaggio ausgerufen haben, als er den Roller zum ersten Mal sah. Und so war die „Vespa“ geboren – benannt nach dem italienischen Wort für Wespe. Am 23. April 1946 wurde das Patent angemeldet und ein neues Kapitel der Mobilitätsgeschichte begann: Was die Vespa bis heute ausmacht, ist nicht das Design, sondern das Lebensgefühl, das sie vermittelt – das Gefühl, dass man auf zwei Rädern die Welt erobern kann.

Zwischen der Vespa und Italien wurde es eine große Liebe auf den zweiten Blick. Die Nachfrage stieg rasant. Es folgten unzählige Weiterentwicklungen von Piaggio. Die Vespa 125, die 1948 auf den Markt kam, brachte mehr Leistung und wurde bald darauf durch die legendäre Vespa 150 GS abgelöst, die 1955 erschien und als „das schönste Modell aller Zeiten“ gilt. In den 1960er Jahren folgte die Vespa 50, die speziell für Jugendliche entwickelt wurde und ab 14 Jahren ohne Führerschein gefahren werden konnte und, und, und. Und mittlerweile gibt es auch eine Elektro-Variante.

So eroberte die Vespa Hollywood

audrey hedburn und gregory peck
Mit dieser Szene erobert die Vespa Hollywood: Audrey Hepburn und Gregory Peck
Foto: Paramount Pictures

Bis heute sind weltweit mehr als 20 Millionen Vespas verkauft worden. Der ikonische Rollerspielt in mehr als 150 Hollywood-Filmen mit: Der Durchbruch kam 1956 mit „Ein Herz und eine Krone“ (Originaltitel: „A Roman Holiday“). In einer der berühmtesten Szenen fährt Audrey Hepburn auf einer Vespa durch die Straßen Roms – eng umschlungen von Gregory Peck. Die Vespa war von da an nicht mehr nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein Symbol für Freiheit, Abenteuer und Dolce Vita.

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