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Von unserer Redaktion
Was tun, wenn der Kellner in Italien nur eine Gabel bringt? Ein kulinarischer Selbstversuch für jemanden von auswärts.
Es ist ein heißer Nachmittag irgendwo zwischen Kampanien und Kalabrien. Der Dorfplatz schläft im Licht, ein paar alte Männer spielen Karten im Schatten der Kirche. Du setzt dich auf die Terrasse einer kleinen Trattoria, bestellst – wie es sich gehört – einen Teller Spaghetti al pomodoro. Nichts Weltbewegendes. Aber auch nichts, was man leicht vergisst, wenn es gut gemacht ist. Und das wird es hier mit Sicherheit sein.
Wenn die Gabel alleine kommt
Der Kellner bringt einen Teller mit dampfenden, in der Sonne leuchtenden Spaghetti. Tomaten, Knoblauch, ein Hauch Basilikum. Dazu? Eine schlichte, silberne Gabel. Kein Löffel. Kein Messer. Kein „Buon appetito“ aus touristischer Routine, sondern nur ein kurzes Nicken. Der Kellner verschwindet wieder in den Schatten. Und du sitzt da – mit deinem Hunger und deiner Gabel.
Italiens Küche von Nord nach Süd
Die Sehnsucht nach dem Löffel
Man will ja nicht unangenehm auffallen, also schaut man sich erst einmal unauffällig um. Vielleicht liegt irgendwo ein Löffeln, oder vielleicht bringt der Kellner doch noch einen. Offensichtlich ist man ja kein Einheimischer. Nein. Die Tischnachbarn – ein älteres italienisches Ehepaar – essen wortlos. Mit Gabel. Nur Gabel. Sie drehen die Pasta mit einer lässigen Handbewegung auf, wie von selbst wickelt sich die Spaghetti-Strähne auf die Zinken. Kein Tropfen Soße geht daneben, kein Drama.
Du dagegen versuchst es auch. Drehung eins – zu wenig Spannung. Drehung zwei – alles rutscht wieder runter. Beim dritten Versuch landet ein einzelner Spaghetti-Faden an deinem Hemdkragen. Und du ahnst: Das hier ist mehr als nur ein Teller Nudeln. Es ist ein stilles Aufnahmeritual in die italienische Kultur. Und du bist noch ganz am Anfang.
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Löffelverbot oder italienische Höflichkeit?
Fragt man Italiener, warum es in traditionellen Lokalen keinen Löffel zu Spaghetti gibt, bekommt man Antworten zwischen mildem Spott und kulinarischem Stolz. „Ein Löffel ist etwas für Kinder“, sagt einer. „Oder für Touristen.“ Andere erklären es pragmatischer: Ein Löffel sei überflüssig, wenn man die Gabel richtig benutzt. Man brauche nur etwas Übung. Oder – und das ist vermutlich die Wahrheit – man müsse als Kind gelernt haben, wie man es macht.
Tatsächlich gilt der Löffel in vielen italienischen Regionen bei Spaghetti als unnötig bis stilwidrig. Nur bei Suppennudeln – etwa bei Minestrone oder Pasta all’uovo in Brühe – darf er offiziell auf den Tisch. Und bei Spaghetti? Drehen, ja, aber auf gar keinen Fall – wirklich nicht! – schneiden. Das wäre ungefähr so, als würdest du den Papst in eine Oben-Ohne-Bar einladen. Ohne Worte.
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Mehr InformationenDie stille Kunst des Pastagenusses
Es ist nicht leicht, sich an einem öffentlichen Ort blamieren zu dürfen. Schon gar nicht in Italien, wo Essen Stil hat, und Stil nicht verhandelbar ist. Aber es lohnt sich. Denn irgendwann, nach dem dritten oder vierten Bissen, klappt es. Die Nudeln gehorchen der Gabel. Die Bewegung wird runder. Der Blick des Kellners? Ein winziges, kaum sichtbares Nicken. Vielleicht Einbildung, vielleicht auch nicht.
Du beginnst zu verstehen: Es geht nicht nur um Technik. Es geht um Würde beim Essen. Darum, die Dinge einfach zu lassen, wie sie sind – eine Gabel, ein Teller, eine Portion Hingabe. Und vielleicht ist genau das, was das wahre Bella Vita ausmacht: Sich nicht über das zu beschweren, was fehlt – sondern das Beste aus dem zu machen, was da ist. Mit Geduld und korrekter Gabelhaltung.
Also: Wie isst man Spaghetti ohne Löffel?
Man nehme die Gabel, stütze sie leicht in die Mitte des Tellers – dort, wo ein paar Spaghetti sich bereits zum Drehen anbieten – und wickele sie mit ruhiger Hand auf. Keine hektischen Bewegungen, kein Schielen zum Nachbarn. Und wenn doch mal eine Nudel entgleist – kein Drama. Es ist nur Pasta. Und das Leben geht weiter.
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