Piano, piano! So läuft die Vorweihnachtszeit in Italien

Florenz in der Vorweihnachtszeit Foto: adisa – stock.adobe.com

Von unserer Redaktion

Italien kann auch ganz piano, piano – zumindest wenn Weihnachten vor der Tür steht. Dann wird der Stiefel zum Lichtermeer, von den Alpen bis nach Sizilien. So wird in Italien die Vorweihnachtszeit gefeiert: die wichtigsten Daten und Bräuche des bel paese.

Drei Fakten vorneweg: Erst seit den 1980er Jahren ist eine geschmückte Tanne zur Weihnachtszeit in ganz Italien gefragt. 1982 stand das erste Mal ein Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz. 2. Die Welt hat Italien nicht nur die Pizza, sondern auch die Weihnachtskrippe zu verdanken, dazu später noch mehr. 3. Anders als in Deutschland waren Adventskalender und -kränze bisher nicht üblich in Italien. In den vergangenen Jahren hat sich das geändert, vor allem bei Familien mit Kindern und deutscher Verwandtschaft.

Mit den Weihnachtsmärkten geht es in Italien los

Ab Mitte bis Ende November verwandeln sich italienische Städte und Dörfer in leuchtende Wintermärchen. Lichter-Installationen, geschmückte Bäume und seit ungefähr 40 Jahren auch Weihnachtsmärkte. Die gab es seit den 1990er Jahren zuerst im Norden, vor allem in Südtirol-Trentino, seit den 2000er Jahren auch in Mittel- und Süditalien. Das kulinarische Angebot vor Ort ist dabei stark von der regionalen Küche und (Handwerks-)Kunst geprägt.

Weihnachten in Rom
Der Piazza Venezia in Rom mit geschmückter Riesentanne
Foto: Valerio Mei – stock.adobe.com

Der Nikolaus kommt als San Nicola

Die Weihnachtsfestspiele beginnen mit dem 6. Dezember, dem Tag des heiligen Nikolaus, des „San Nicola“. Der wird in Bari, der Hauptstadt Apuliens, besonders gefeiert. Der Heilige Nikolaus ist der Schutzpatron der Stadt und wird mit Gottesdienst und Prozessionen gefeiert. Jedes Jahr reisen Pilger aus der ganzen Welt an. 

In manchen Regionen ist der Nikolaus kein besonderer Tag für Kinder, nur ein normaler Feiertag für die Gläubigen. Vor allem in Norditalien wird der Nikolaustag so gefeiert wie in Deutschland: Die Kinder stellen über Nacht ihre Schuhe raus und mit ein bisschen Glück ist dann keine Kohle, sondern Süßes drinnen.

Das Luciafest: Die Schutzpatronin des Lichts

Die Heilige Lucia, bekannt als Schutzpatronin des Lichts und Schutzheilige der Blinden, wird am 13. Dezember vor allem im Norden und im Süden Italiens gefeiert. Lucia, geboren in Syrakus aus Sizilien, soll ihr Vermögen an die Armen verteilt haben. Wegen ihres Glaubens soll sie im Jahr 304 nach Christus ermordet worden sein, wobei ihr auch die Augen herausgerissen worden sein sollen. 

In Norditalien, insbesondere in Verona und Venetien, Lombardei und Trentino-Südtirol gibt es beim Luciafest kleine Geschenke für Kinder, außerdem traditionelles Gebäck wie „Biscotti di Lucia“. Auf Sizilien erinnert der „Torrone dei poveri“, wörtlich übersetzt das „Nougat der Armen“. Statt aus teuren Nüssen und Mandeln besteht diese Variante aus gesüßten Kichererbsen. 

Das Herzstück der Weihnachtsdekoration: die Krippe

Was dem Deutschen der Weihnachtsbaum ist dem Italiener die Krippe – häufig sind es sogar ganze Krippen-Landschaften. Das Herzstück der Weihnachtsdeko, der „Presepe“ ist ab Anfang Dezember in quasi jedem Haushalt zu finden. Die Figur des Christkinds wird in der Regel erst in der Nacht zum 25. Dezember in die Krippe gelegt. 

Diese Tradition geht auf den Heiligen Franz von Assisi zurück. Der Schutzpatron der Schöpfung ließ im Jahr 1223 die erste lebendige Krippe in Greccio in Umbrien inszenieren. Die „Lebenden Krippen“, die „Presepi Viventi“ finden oft in historischen Dörfern statt. Weltberühmt sind die Krippen aus Neapel, wo in der Via San Gregorio Armeno das ganze Jahr über Figuren und Zubehör hergestellt werden.

„La Novena“ als Vorbereitung

Vom 16. Dezember bis zum 24. Dezember wird in vielen Regionen Italiens die „Novena“ begangen. „La Novena“ ist eine katholische Tradition in Italien, bei der über einen Zeitraum von neun Tagen bestimmte Gebete und Andachten verrichtet werden.

Traditionell gehen Kinder oder Gruppen von Gläubigen von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder oder Gebete, begleitet von Instrumenten wie Flöten oder Tamburinen. Besonders in Süditalien ist dies ein lebendiger Brauch. Oft sind die Kinder auch als Hirten oder Engel verkleidet. Die Novena kann aber auch vor Ostern oder anderen Feiertagen begangen werden.

Der Heilige Abend: La Vigilia di Natale

Der Heilige Abend wird in Italien als Vorabend auf Weihnachten gefeiert und gilt als Fastentag. Deswegen werden bei den meisten Familien fleischlose Köstlichkeiten serviert: Im Norden gibt es häufig Baccalà, Stockfisch, im Süden Spaghetti alle vongole und zum Nachtisch natürlich Panettone.

Nach dem Essen spielen viele Familien traditionell Bingo, bevor sie gemeinsam zur Mitternachtsmesse gehen oder sich die Übertrag im Fernsehen anschauen. Das eigentliche Weihnachtsfest geht in Italien erst am 25. Dezember los.

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