Warum Bologna Italiens sicherste Stadt für Fußgänger ist

Luftaufnahme von Bologna Foto: stock.adobe.com/Striker777

Von unserer Redaktion

Die eine Stadt setzt auf mehr Parkplätze, die andere auf mehr Fahrspuren. Bologna geht einen anderen Weg – und zwar langsam.

Der Verkehr in Italiens Städte ist gewöhnungsbedürftig, manchmal auch halsbrecherisch – vor allem für Fußgänger. Bologna hat sich für einen anderen Weg entschieden: Seit 2024 gilt dort auf über 70 Prozent aller Straßen Tempo 30. Und das ist mehr als ein gut gemeinter Appell: „Città 30“, wie das Projekt offiziell heißt, hat die Stadt verändert.

Ein neuer Rekord

Im ersten Jahr der neuen Regelung gab es in Bologna keine toten Fußgänger im Straßenverkehr mehr – zum ersten Mal seit Beginn der statistischen Erfassung vor mehr als 30 Jahren. Die Zahl der auf Fahrzeugen tödlich Verunglückten sank außerdem um fast 50 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre zuvor. Auch insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich gesunken:

Anzeige

Rund 370 weniger als im Durchschnitt der beiden Vorjahre, das entspricht einem Rückgang um gut 13 Prozent. Die Zahl der Verletzten nahm um mehr als elf Prozent ab, besonders schwere Unfälle – also jene mit Lebensgefahr, dem sogenannten „codice rosso“ – sanken sogar um 31 Prozent. Auffällig dabei: Der Rückgang war auf den großen Ausfallstraßen (den „radiali“) sogar noch deutlicher als im restlichen Stadtgebiet. (Was du übers Autofahren in Italien wissen solltest.)

Klick dich durch Bologna

Mehr als Tempo-Tafeln

„Tempo 30“ hat in Bologna zu einer massiven Veränderung des städtischen Lebens geführt: Die Stadt hat nicht nur Tempotafeln aufgestellt, sondern mehr als 27 Millionen Euro in bauliche Veränderungen investiert: sichere Übergänge, verkehrsberuhigte Plätze, neue Radwege, Schulzonen, Hilfen zum Überqueren der Straßen und mehr. Parallel dazu fanden im ersten Jahr über 160 mobile Verkehrskontrollen statt, mehr als 14.000 Fahrzeuge wurden überprüft. Dabei wurden 2.046 Bußgelder verhängt – allein 306 wegen Geschwindigkeitsverstößen, 89 davon im 30er-Bereich. Der Großteil der Verstöße betraf aber den fehlenden Gurt, Handy am Steuer oder rote Ampeln – auch Radfahrer und E-Scooter-Fahrer erhielten Strafzettel.

Bolognas Luft ist dufte

Die Bilanz geht aber weit über Verkehrssicherheit hinaus: Der innerstädtische Autoverkehr sank um rund 11.000 Fahrzeuge pro Werktag, ein Rückgang von etwa fünf Prozent gegenüber den Vorjahren. Bike-Sharing-Fahrten nahmen um 69 Prozent zu, Car-Sharing um 44 Prozent, und selbst die Nutzung des innerstädtischen Schienennetzes stieg um über 30 Prozent. Auf drei regelmäßig überwachten Radachsen der Stadt wurden 2024 mehr als 140.000 zusätzliche Radfahrten gezählt – ein Plus von zehn Prozent.

Auch die Luft profitiert: Der Stickstoffdioxid-Wert an der Verkehrsmessstation Porta San Felice ging um 29,3 Prozent zurück und erreichte den besten Wert seit zehn Jahren. NO₂ gilt als verlässlicher Marker für städtischen Verbrennungsverkehr – weniger davon heißt schlicht: besser durchatmen.

Unterwegs auf Sardinien

Anzeige

Bußgelder bis zu 845 Euro

Wer beim Zu-schnell-Fahren erwischt wird, muss mit Strafen ab 30 Euro rechnen. Theoretisch sind sogar Bußgelder von bis zu 845 Euro und ein Jahr Fahrverbot möglich. Pendler und Handwerker klagen über längere Fahrzeiten, Wirtschaftsverbände hätten sich ein abgestuftes Modell gewünscht. Ein Referendum gegen Tempo 30 wurde aus dem rechtspolitischen Lager angestrebt – scheiterte jedoch an den erforderlichen 9.000 Unterschriften. Der italienische Innenminister, Matteo Salvini von der rechtspolitischen Lega, befand das Verkehrsprojekt trotz der Bilanz als „sinnlos“ und verordnete per Richtlinie, dass 30er-Zonen von Kommunen nicht mehr über weite Abschnitte eingerichtet werden dürfen. Bologna will an seinem Konzept festhalten.

Kommentare

hi_IN

Discover more from la bella vita club

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading