Die Folgen der anhaltenden Hitze und Trockenheit in Norditalien werden immer dramatischer. Und die trockensten Monate stehen noch bevor. Der Chef des Katastrophenschutzes rechnet Anfang Juli mit einem Ausnahmezustand für das ganze Land.
Aktuell wird mit Hochdruck an einem nationalen Notfallplan für die Wasserversorgung gearbeitet“, teilte Fabrizio Curcio mit. Schon Anfang Juli könne der landesweite Notstand verhängt werden. Ein Ende der Hitzewelle ist frühestens ab dem 5. Juli zu erwarten.
„In einigen Gebieten ist es nicht ausgeschlossen, dass das Wasser – das rationiert werden muss – zuweilen auch tagsüber abgestellt wird.“
Fabrizio Curcio, Chef des italienischen Katastrophenschutzes
Dürre, Hitze, Waldbrände. Norditalien leidet unter der extremsten Trockenheit seit 70 Jahren. Der längste Fluss des Landes, der Po führt nur noch 20 Prozent der Wassermenge. Temperaturen von bis zu 36 Grad.
Die Ernten vertrocknen. Laut italienischem Bauernverband droht der Verlust der halben Ernte. Bei den Zuckerrüben sogar mehr als 70 Prozent.
- Hauptproblem aktuell: Die Landwirtschaft
- Waldbrände: 30 Prozent der Toskana-Ernte zerstört
- Die Ursachen für die Rekord-Dürre
- Die Perspektive bis 2050: mit Klimawandel düster
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Hauptproblem aktuell: Die Landwirtschaft
Die Po-Ebene ist die wichtigste landwirtschaftliche Region Italiens. Die Landwirtschaft verbraucht mehr als die Hälfte des Wassers in der Po-Ebene. Ein großer Teil der wasser-intensiven, europäischen Reis-Ernte stammt aus Nord-Italien. Über Jahrzehnte waren die Wassermengen kein Problem.
Ausgerechnet in Italien, wo die Römer mal die Wasser-Versorgung mit Äquadukten revolutionierten, gehen aktuell bis zu 70 Prozent des Wassers verloren – über lecke Leitungen. Sanierungen sind angelaufen, aber dauern. Italiens Ministerpräsident Mario Draghi (74) erklärte das Wasser zur Chefsache.
Im Schnitt 215 Liter Wasserverbraucht ein Mensch in Italien pro Tag. Europaweit sind es nur 125 Liter. Bei der Rechnung wurde der Wasserverbrauch aus Landwirtschaft, Industrie und Stromherstellung pro Kopf miteingerechnet.
Ein Drittel der Toskana-Ernte verbrannt

Schon in der zweiten Juni-Hälfte musste die Feuerwehren in Italien zu mehr als 1000 Waldbränden ausfahren. Besonders betroffen wieder die Landwirtschaft. Laut Bauernverband Coldiretti ist bereits ein Drittel der Ernte zerstört.
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Die Ursachen für die Rekord-Dürre
Die Pegel in den Flüssen waren schon vor der Hitzewelle viel niedriger als sonst.
- Seit Jahresbeginn sind in Norditalien weniger als die Hälfte der üblichen Regenmenge gefallen.
- Im Winter gab es ein Drittel weniger Schnee in den Bergen. Entsprechend weniger Schmelzwasser floss ins Tal.
Die Perspektive bis 2050: Mit Klimawandel düster
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Norditalien: Thema einer aktuellen Studie von Wissenschaftlerinnen und Forscher der Unis Turin, Pisa und Rennes (Frankreich).

Die Ergebnisse dieser Studie sind dramatisch:
- Bisher verteilten sich die Regenfälle in den Voralpen und in der Poebene vor allem auf den späten Winter und den Frühling. Der Klimawandel führt dazu, dass es weniger, dafür viel heftiger regnet. Der Boden kann die Wassermenge nicht aufnehmen.
- Laut Modellrechnungen steigt die Temperatur in den Alpen stärker als woanders. Bis Ende des Jahrhunderts sind bis zu 90 Prozent der Berge abgeschmolzen. Die Wassermengen, die nach Italien fließen, sind deutlich reduziert. Da viele Böden eh versiegelt ist, kommt es zu einer weiteren, verstärkten Austrocknung des Bodens. Bisher konnten Weizen, Wein, Gemüse ohne Bewässerung wachsen, aber der Regen reicht nicht künftig nicht mehr.
- Die Forscher rechnen damit, dass die Dürren zwar nicht häufiger, dafür aber intensiver auftreten werden. Dann auch nicht mehr nur in Norditalien, sondern auch in weiteren Regionen.
Die Regierung will jetzt Milliarden in die Wasserversorgung investieren. Zu spät für die aktuelle Situation in Norditalien.
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Titelbild/Montage – Symbolfoto: dmytro gilitukha/Getty Images via.canva.com
Quellen: eigene Recherche; Nationalgeographic.de/ Marius Rautenberg: „Dürre in Italien: Katastrophe mit Ansage“; Tagesschau.de/Elisabeth Pongartz: „Extreme Wetterverhältnisse – Hitzerekorde und Wassermangel in Italien“; FAZ.de/Mathias Rüb: „Die Dürre vernichtet die Ernten“






