Die Nekropole von Cerveteri Foto: stock.adobe.com/Massimo
Von unserer Redaktion
Alle reden über die Römer, dabei erbauten die Etrusker die erste entwickelte Zivilisation auf italienischem Boden.
Wer Italien bereist, denkt an römische Triumphbögen, Renaissance-Gemälde oder barocke Basiliken. Doch bevor Rom zum Zentrum der antiken Welt wurde, lebte in Mittelitalien ein Volk, das den kulturellen Boden für den späteren Glanz bereitete: die Etrusker. Von der Toskana über Umbrien bis Latium prägten sie Landschaft, Sprache, Architektur – und hinterließen Spuren, die bis heute wirken.
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Die erste entwickelte Zivilisation in Italien

Die Etrusker waren keine wilde Stammesgemeinschaft, sondern die erste entwickelte Zivilisation auf italienischem Boden. Was man als Hochkultur bezeichnet, zeigt sich bei ihnen in vielerlei Hinsicht: Sie bauten strukturierte Städte mit Tempeln, Wohnvierteln und Wasserleitungen, verfügten über ein ausdifferenziertes Gesellschaftssystem mit einer städtisch geprägten Oberschicht.
Die Etrusker pflegten weiten Handel bis nach Griechenland und Nordafrika, entwickelten eine eigene Schrift und ausgeprägte religiöse Rituale – und hinterließen künstlerisch gestaltete Grabanlagen, die bis heute erhalten sind. Ihre Kultur war also nicht lokal oder bäuerlich begrenzt, sondern urban, organisiert und weit vernetzt.
Panoramafahrt durch die Toskana
Ein Reich aus 12 Städten
Zwischen dem 10. und 1. Jahrhundert v. Chr. entwickelten die Etrusker eine blühende Zivilisation, die große Teile Mittelitaliens prägte. Der sogenannte Zwölfstädtebund verband bedeutende Zentren wie Veji (bei Rom), Tarquinia, Cerveteri und Vulci in Latium, sowie Chiusi, Cortona, Arezzo und Volterra in der Toskana und Perugia in Umbrien. Viele dieser Orte existieren heute noch – archäologisch reich, aber oft abseits des Massentourismus.
Was Italien den Etruskern verdankt
Nicht zuletzt Rom verdankt den Etruskern mehr, als vielen bewusst ist: Die ersten römischen Könige waren etruskischer Herkunft, religiöse Rituale wie die Vogelschau oder das Orakelwesen stammen direkt aus ihrem Weltbild. Selbst Symbole der Macht – etwa der purpurne Königsmantel oder die Liktorenbündel (Fasces) – gehen auf etruskische Ursprünge zurück.
Auch in Kunst und Handwerk hinterließen sie ein reiches Erbe: feine Bronzestatuen, geometrische Keramik, reich bemalte Gräber. Die sogenannte Bucchero-Keramik – tiefschwarz, glänzend, dünnwandig – ist ein Markenzeichen der etruskischen Handwerkskunst. Ihre eigene Sprache ist bis heute nur teilweise entziffert, nicht mit dem Latein verwandt, und macht deutlich, wie viel von dieser Kultur noch im Halbschatten liegt.
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Der Untergang der Etrusker und ihre Spuren

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Der Niedergang kam nicht durch plötzliche Eroberung, sondern durch allmähliche Eingliederung ins expandierende Rom. Viele etruskische Städte wurden romanisiert, die Sprache verschwand, aber die kulturellen Prägungen blieben – und gingen in das ein, was später italienische Identität werden sollte.
Wo man die Etrusker heute in Italien sehen kann
Wer heute durch Arezzo, Perugia, Tarquinia oder Volterra spaziert, bewegt sich auf dem Boden dieser alten Kultur. Und wer genau hinschaut, sieht: Die Geschichte Italiens begann nicht in Rom – sondern ein Stück weiter nördlich, in Etrurien.
Das Herz Etruriens: Zwei Nekropolen voller Geschichte
Wer sich für die faszinierende Welt der Etrusker interessiert, kommt an zwei Orten nicht vorbei: Tarquinia und Cerveteri. Beide archäologischen Stätten gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe – und geben auf eindrucksvolle Weise Einblick in eine versunkene Kultur, die Rom einst voraus war.
- Die Nekropole von Tarquinia, rund 90 Kilometer nordwestlich von Rom gelegen, ist vor allem für ihre farbenprächtigen Wandmalereien bekannt. Über 200 Felsgräber wurden hier freigelegt – viele davon mit detailreichen Fresken, die Szenen aus dem Alltagsleben, religiöse Rituale oder festliche Gelage zeigen. Besonders eindrucksvoll: die Tomba dei Leopardi und die Tomba della Caccia e Pesca. Ergänzt wird der Besuch durch das Museo Nazionale Tarquiniense, das im Palazzo Vitelleschi bedeutende Fundstücke aus der Region präsentiert.
- Nur etwa 40 Kilometer nordwestlich von Rom liegt Cerveteri mit der Nekropole della Banditaccia – einer weitläufigen Totenstadt mit monumentalen Rundgräbern, sogenannten Tumuli. Die Struktur gleicht einem Labyrinth aus Gassen, Kammern und Grabarchitektur – ein begehbares Zeugnis der etruskischen Begräbniskultur. Die Gräber sind teils von innen zugänglich und ermöglichen eine erstaunlich unmittelbare Reise in die Vergangenheit.
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Archäologischer Park von Vulci
Etwas weniger bekannt, aber nicht minder beeindruckend ist das archäologische Areal von Vulci, einst eine der bedeutendsten Städte des etruskischen Reichs. Heute können Besucher dort durch die Ruinen einer antiken Metropole wandeln – mit gut erhaltenen Stadtmauern, Tempelresten, gepflasterten Straßen und monumentalen Grabstätten.
Die weitläufige Anlage vermittelt ein lebendiges Bild vom urbanen Leben der Etrusker. Ergänzt wird der Besuch durch das Archäologische Museum im Castello dell’Abbadia, das kostbare Funde aus der Region zeigt – darunter kunstvoll bemalte Keramiken, Bronzeobjekte und Schmuckstücke. Parco Naturalistico Archeologico di Vulci liegt eingebettet in eine reizvolle Landschaft zwischen Felsschluchten und Flussläufen in Latium, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Rom und rund 20 Kilometer von der Küste entfernt.
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Die Etrusker in Volterra
Auch Volterra trägt das Erbe der Etrusker tief in ihrem Stadtbild. Hoch über den Hügeln der Toskana gelegen, südlich von Pisa und zwischen Florenz und der Küste, blickt die Stadt auf eine über 3.000-jährige Geschichte zurück. Besonders eindrucksvoll sind die noch erhaltenen antiken Stadtmauern sowie das monumentale Stadttor Porta all’Arco – eines der wenigen vollständig erhaltenen etruskischen Stadttore überhaupt.
Im Museo Etrusco Guarnacci, einem der ältesten archäologischen Museen Italiens, erwartet Besucher eine herausragende Sammlung: über 600 kunstvoll verzierte Urnen, filigrane Bronzestatuen und Grabbeigaben zeugen von der kulturellen und handwerklichen Raffinesse der Etrusker. Wer durch Volterra schlendert, spürt: Hier ist die Geschichte nicht nur sichtbar, sondern förmlich in Stein gemeißelt.