Die Arena von Verona: Gladiatoren und Opern

Von ELIAS KAYSER

Köln – Die Arena von Verona, eindrucksvolles Relikt aus der Römerzeit, bildet bis heute das Herzstück der Stadt. Einst als Schauplatz für Gladiatorenkämpfe und Tierduelle errichtet, hat sie sich über die Jahrtausende zu einem der berühmtesten Opernspielorte der Welt entwickelt.

Die Baukunst der Römer

Die Arena wurde um das Jahr 30 n. Chr. außerhalb der damaligen römischen Stadtmauern erbaut. Ursprünglich hatte das Amphitheater eine Größe von 152 Metern in der Länge und 113 Metern in der Breite. Heute sind noch 138 Meter Länge und 109 Meter Breite erhalten. Damit gehört die Arena einem der größten erhaltenen römischen Bauwerke. Früher bot die Arena damals Platz für mehr als 30.000 Zuschauer, die sich von den beliebten Gladiatorenkämpfe und andere öffentliche Wettkämpfe zu sehen. Heute passen noch etwa 20.000 Menschen in die Arena.

Ursprünglich war die Arena außen mit weißem und rosa Kalkstein aus der Region Valpolicella verkleidet, was ihr einen fast funkelnden Glanz verlieh. Dieser äußere Steinring ist heute nur noch teilweise erhalten – im Laufe der Jahrhunderte diente die Arena oft als Steinbruch für andere Bauprojekte.

Verona Arena
Die Arena ist ein Publikumsmagnet in Verona

Zerstörung und Nutzung als Steinbruch

Die Geschichte der Arena ist nicht nur geprägt von blutiger Unterhaltung, sondern auch von Zerstörungen. Im Jahr 265 ließ Kaiser Gallienus die Stadtmauern um die Arena herum erweitern, sodass sie in die Stadtbefestigung integriert wurde. Lange Zeit glaubte man, dass der äußere Ring der Arena bei einem Erdbeben im Jahr 1117 weitgehend zerstört wurde.

Neuere archäologische Funde haben jedoch gezeigt, dass bereits der Ostgotenkönig Theoderich nach seiner Eroberung Veronas im Jahr 489 den äußeren Ring teilweise abreißen ließ. Die Steine wurden zum Bau der neuen Stadtmauern verwendet – möglicherweise auch aus militärischen Gründen, da die Arena die Stadtmauern überragte. Heute ist nur noch ein kleiner Teil des äußeren Rings erhalten, die sogenannte „l’ala“, der Flügel die einen Hauch der ursprünglichen Größe und Pracht erahnen lässt.

Vom Steinbruch zur Opernbühne

Schon in der Renaissance gab es Bestrebungen, die Arena wieder als Theater zu nutzen, doch erst im 20. Jahrhundert wurde dies konsequent umgesetzt. Der Wendepunkt kam 1913, als die Arena erstmals als Opernbühne von Weltrang genutzt wurde. Anlässlich des 100. Geburtstags von Giuseppe Verdi wurde am 10. August 1913 seine Oper Aida in der Arena aufgeführt. Diese historische Aufführung markierte den Beginn einer neuen Ära für das antike Bauwerk.

Seitdem ist die Arena von Verona eine der renommiertesten Opernspielstätten der Welt. Jedes Jahr verwandelt sie sich während der Sommermonate Juni, Juli und August in eine Bühne für hochkarätige Opernaufführungen. Werke von Verdi, Puccini und anderen Meistern der Opernliteratur werden hier unter freiem Himmel in einer einzigartigen Atmosphäre aufgeführt. Die besondere Akustik und das historische Ambiente machen die Aufführungen in der Arena zu einem einmaligen Erlebnis.

Moderne Konzerte und Rockstars

Nicht nur Opernliebhaber kommen in der Arena auf ihre Kosten. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Arena auch als Veranstaltungsort für große Rock- und Popkonzerte etabliert. Größen wie Gianna Nannini, Adriano Celentano, Zucchero, Bryan Adams, Peter Gabriel und Bruce Springsteen haben hier auf der antiken Bühne ihre Konzerte gegeben. Die Symbiose aus Geschichte und Moderne macht sie zu einer der spannendsten Kulturstätten Europas.

Die Arena als Bühne für die Olympischen Spiele 2026

Ein weiteres Kapitel in der beeindruckenden Geschichte der Arena von Verona wird 2026 geschrieben. Anlässlich der XXV. Olympischen Winterspiele, die in Mailand und Cortina d’Ampezzo ausgetragen werden, findet die Schlussfeier am 22. Februar 2026 in der Arena von Verona statt. Obwohl die Stadt selbst kein Austragungsort für die Sportwettkämpfe sein wird, rückt die Arena erneut in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit und wird zur globalen Bühne.

Veronas Arena ist ein Monument, das Geschichte atmet und gleichzeitig die Bühne für die großen Momente der Gegenwart und Zukunft bietet.

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