„Sanremo 2025” und die große Debatte über Sieger Olly

Gewinner Olly (l.) und Lucio Corsi (M.)mit Gitarrist Francis Delacroix Foto: IMAGO/Avalon.red

Von der Redaktion

Das Musikspektakel des Jahres endete am Samstag mit einer Einschaltquote von sensationellen 73,1 Prozent. Der Gewinner des ältesten Musikwettbewerbs Europas vertritt Italien traditionell beim ESC. Aber der diesjährige Gewinner braucht Bedenkzeit.

Sanremo – Von Anfang an: Fünf Tage lang schalteten mehr als die Hälfte aller Italiener von Dienstag bis Samstag im öffentlich-rechtlichen RAI ein, um die Besten der Besten der italienischen Musikszene zu sehen. Von Altstars wie Giorgia (52), die Sanremo bereits 1995 gewann, Italo-Superstar Fedez (35) mit 14 Millionen Followern auf Instagram bis zu Newcomern, von denen die Mehrheit noch nie gehört hat. Das „Festival di Sanremo“ ist die große Chance für alle Künstler und kann das Sprungbrett für eine Weltkarriere sein. Auch Eros Ramazzotti hat mal hier angefangen.

Olly bittet um Bedenkzeit für den ESC

Die Entdeckung dieses Jahres war Lucio Corsi (31), der optisch und stimmlich an den Glam Rock des jungen David Bowie erinnerte. Mit seinem Lied „Volevo essere un duro” – „Ich wollte ein harter Typ sein” – gewann er von Tag 1 die Herzen der Fans auf Social Media. Am Ende gewann mit 0,4 Prozent Vorsprung ein anderer: Sänger Olly (23), der mit der Ballade „Balorda nostalgia“ antrat. Schon in der Finalnacht war ihm die Anspannung anzusehen: Der Druck ist selbst auf die erfahrenen Künstler enorm, wenn das ganze Land zuschaut. Auf der Abschluss-Pressekonferenz bat Olly um eine Woche Bedenkzeit, ob er überhaupt zum ESC fahren möchte.

„Alles, was mir passiert, ist total verrückt. Als ich in den letzten Wochen gesagt habe, dass ich nicht damit rechne, das Festival zu gewinnen, war ich ehrlich“, sagte er auf einer Pressekonferenz am Sonntag sichtlich aufgewühlt: „Es ist eine große Ehre, beim ESC teilzunehmen, aber ich muss das erst verarbeiten. Ich brauche Zeit, um eine Entscheidung zu treffen.“

Die Debatte in Italien läuft

Seitdem läuft die Debatte in Italien auf Hochtouren. In den sozialen Medien versucht der eine Teil, Olly zur Teilnahme zu überreden, während der andere Teil diskutiert, ob nicht sowieso jemand anderes fahren sollte. Diskutiert wird auch, ob die Bedenkzeit mit Ollys ausverkaufter Clubtour zu tun hat, die parallel zum ESC in Basel stattfindet. Und warum die Grande Dame der italienischen Musikszene Giorgia überhaupt auf dem sechsten Platz landen konnte.

65 Millionen Euro Werbeeinnahmen

Die Organisatoren des italienischen ESC-Vorentscheids haben bereits angekündigt, Ollys Entscheidung zu respektieren. Sollte er absagen, wäre bislang noch unklar, welcher Künstler nachrücken würde. Egal, wie der Sänger sich entscheidet: Mit seiner Bedenkzeit hat er schon jetzt Sanremo-Geschichte geschrieben. Für den Fernsehsender RAI war der Musikwettbewerb jedenfalls ein finanzieller Hit: Die Produktionskosten für das fünftägige Live-Spektakel lagen bei 20 Millionen Euro – die Werbeeinnahmen bei 65 Millionen.

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