Liegestuhl und Lebenskunst: Was Italiener am Strand wirklich tun

Der Strand in der Toskana

Von unserer Redaktion

Stell dir einen italienischen Strand vor. Du denkst an türkisfarbenes Wasser, weißen Sand, ein paar modisch überladene Sonnenbrillen – und an Menschen, die reglos unter Sonnenschirmen liegen? Dann hast du entweder noch nie einen Tag zwischen Lido, Gelato und Nonna verbracht. Oder du hast nicht hingeschaut.

Italiener gehen nicht (nur) zum Sonnenbaden an den Strand. Sie leben dort. Wie Dolce Vita am Meer wirklich geht:

1. Sie bauen ihr Wohnzimmer auf.

Ein italienischer Strandtag beginnt mit logistischem Feingefühl. Klappstühle, Kühltaschen, Sonnenschirme, Strandmatten, eine kleine Stereoanlage, vielleicht ein zusammenklappbarer Tisch – alles dabei. Manche tragen mehr Gepäck als auf einer Alpenüberquerung. Und alles hat seinen Platz.

2. Sie essen. Viel. Und gut.

Während der Tourist sich ein trockenes Panino schnappt, holt die italienische Familie die Tupperdosen raus. Pasta Fredda, Parmigiana, Melone mit Prosciutto. Der ganze Strand riecht kurz nach Zuhause. Kinder mit Tomatensauce im Gesicht inklusive.

Am Strand in Kampanien
Diese Strandburg ist gerade noch im Aufbau – die Stühle fehlen noch

3. Sie diskutieren – mit Leidenschaft.

Ein Fußballspiel auf dem Handy, ein Politiker im Radio, die richtige Reihenfolge beim Kartenspiel. Lautstärke ist kein Nebeneffekt – sie ist Prinzip. Wer nicht zuhört, versteht Italien nicht.

4. Sie telefonieren.

Mit der Cousine, der Nachbarin, dem Kollegen. Warum? Weil es geht. Und weil das Rauschen des Meeres ein prima Hintergrundsound ist, wenn man gerade erklärt, warum Onkel Gino beim letzten Geburtstag überreagiert hat.

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5. Sie sehen und lassen sich sehen.

Mode ist wichtig, auch am Meer. Badehose mit Bügelfalte? Warum nicht. Die Sonnenbrille muss stimmen. Und wer das Meer nicht betritt, sieht immerhin blendend dabei aus.

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Woran man Touristen erkennt? Nur mit Handtuch am Strand

6. Sie gehen ins Wasser. Kurz.

Davor wird diskutiert: „Ist es zu kalt?“ – „Ist das da eine Qualle?“ – „Wer geht zuerst?“ Dann ein kurzer Tauchgang – und gleich wieder raus. Schließlich wartet der Espresso an der Strandbar.

7. Sie bleiben bis zum Sonnenuntergang.

Denn das Beste kommt zum Schluss. Die Sonne sinkt ins Meer, das Licht wird golden, das Wasser still. Jetzt noch ein letzter Blick, ein letztes Lächeln – und dann beginnt der Abbau.

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