Karibik mit italienischen Flair: Was San Vito lo Capo auf Sizilien ausmacht

Was für ein einmaliges Panorama im Nordwesten Siziliens Foto: stock.adobe.com/4zoom4

Von unserer Redaktion

Ein Strand wie gemalt, ein Festival mit Geschichte und ein Ort, der seinen eigenen Takt nicht verloren hat – trotz steigender Beliebtheit.

Es gibt Orte, die mit der Zeit ihr Gesicht verändern. Und es gibt Orte wie San Vito lo Capo auf Sizilien, die sich nicht anbiedern. Nicht dem Jetset, nicht den Hochglanzbroschüren, nicht dem Mythos vom „Geheimtipp“, der längst keiner mehr ist. Und doch – oder gerade deshalb – reisen jedes Jahr mehr Menschen hierher, an die äußerste Nordwestspitze Siziliens, dorthin, wo das Land endet und das Licht beginnt. Knapp 5.000 Menschen leben hier.


Karibikstrand mit italienischem Charme

Die Postkartenmotive sind in den sozialen Medien angekommen, der unglaublich schöne Strand, feinsandig und fast drei Kilometer lang. Wer barfuß durch den Sand läuft, denkt eher an die Karibik als an Italien. Türkisblaues Wasser, flach abfallend. Viele kommen seit Kindheitstagen hierher, auch wenn in den vergangenen Jahren immer mehr Newcomer dazu gekommen sind. San Vito ist eine Langzeit-Beziehung.

view of a village by the shore
San Vito lo Capo aus der Vogelperspektive
Photo by Francesco Ungaro on Pexels.com

Dass San Vito trotz wachsender Bekanntheit „bodenständig italienisch“ geblieben ist, hat wohl auch mit seinen Wurzeln zu tun. Es war und ist ein Fischerdorf, auch wenn viele Netze heute als Dekoration über Restauranttüren hängen. Die Tonnara del Secco, die alte Thunfischfabrik außerhalb des Zentrums, ist ein stummes Denkmal dieser Geschichte. Einst arbeiteten hier Generationen, heute ist sie stillgelegt – und trotzdem noch da.

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Kein internationaler Jet-Set

Während andere Küstenorte längst von Luxushotels oder gläsernen Designvillen geprägt und für den Durchschnittsbürger nicht bezahlbar sind, geht man in San Vito noch zu „Nonna“, wenn man eine Ferienwohnung braucht. Die Auswahl an Unterkünften ist groß – von kleinen Bed & Breakfasts bis zu günstigen Familienhotels –aber ohne Größenwahn. Kein Jetset, keine Yachten mit Helikopterlandeplatz, keine Modeketten in Goldschrift. Wer hier durch die Gassen bummelt, sieht eher Kinder mit Gelato als Schickeria mit Selfiestick.

Auch das Nachtleben bleibt bescheiden: ein Glas Wein auf der Piazza, ein Teller Pasta mit Bottarga, vielleicht ein Spaziergang zum Leuchtturm, der seit 1859 unermüdlich über die Küste wacht. Abends, wenn die Sonne glutrot im Meer versinkt, wird der Ort für einen Moment still – als würde er sich selbst zuhören.

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Der Monte Monaco
Photo by Martino Grua on Pexels.com

Der Monte Monaco und das Naturreservat

Wer sich dem Ort von oben nähert – etwa vom Monte Monaco, der mit seinen 532 Metern über dem Ort thront –, erkennt, wie kompakt und zugleich weitläufig San Vito wirkt. Die Bucht, die Berge, das weite Blau. Wer hier wandert oder klettert, erlebt die Landschaft körperlich. Über 1.600 Kletterrouten machen die Steilküste zu einem Mekka für Sportler:innen.

Das Naturschutzgebiet, die Riserva Naturale Orientata dello Zingaro  erstreckt sich über sieben Kilometer zwischen San Vito Lo Capo und Castellammare del Golfo. Es ist eines der letzten Stücke sizilianischer Küste ohne Uferstraße. Das Betreten ist ausschließlich zu Fuß erlaubt. Es gibt mehrere Wanderwege, vom Küstenpfad bis zu anspruchsvolleren Panoramawegen. Typisch sind Zwergpalmen, Orchideen, Oliven- und Mandelbäume, zahlreiche Vogelarten, zum Beispiel nisten Greifvögel wie der Wanderfalke oder die Bonelli-Adler hier.  Entlang der Küste befinden sich sieben berühmte, kristallklare Buchten wie Cala Capreria oder Cala dell’Uzzo.

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Rund um San Vito lo Capo gibt es viele Wanderwege
Photo by Jan van der Wolf on Pexels.com

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Couscous und Küstenfelsen

Einmal im Jahrim September weht der Duft von Kreuzkümmel, Zimt und Meeresfrüchten durch die Straßen. Dann verwandelt sich der Ortskern in eine kulinarische Bühne: Das Couscous-Festival, mittlerweile international bekannt, bringt Köche aus Nordafrika, Frankreich und natürlich Sizilien zusammen. Und es wirkt nicht wie eine inszenierte Folklore, sondern wie das, was San Vito immer schon war – ein Ort zwischen den Welten, offen für Einflüsse, ohne sich zu verbiegen.

Natürlich hat sich San Vito verändert. Natürlich ist es in der Hochsaison voll, natürlich gibt es mittlerweile Sushi und Aperol Spritz in fancy Gläsern. Aber. San Vito will nicht gefallen. Es ist einfach.

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