Geister des Mittelmeers: Quallen auf dem Vormarsch in Italien

Eine Begegnung mit der Lungenqualle kann schmerzhaft enden Foto: stock.adobe.com/Paolo Borella

Von unserer Redaktion

Quallen sind keine Ausnahme mehr. An Italiens Küsten treten sie immer häufiger auf – still, schwerelos und manchmal unangenehm nah.

Noch vor wenigen Jahren galt eine Begegnung mit ihnen als selten. Heute sind sie vielerorts Teil der Sommermonate: mal als Einzelwesen, mal als schimmernde Gruppe unter der Wasseroberfläche. Besonders entlang der Adria, aber auch rund um Sizilien, Sardinien oder am Golf von Neapel werden sie regelmäßig gesichtet. Mit ihnen kommen die Fragen:

Still, schwerelos, plötzlich da

Dass Quallen sich so wohlfühlen, liegt nicht an ihnen. Das Mittelmeer wird wärmer – und zwar schneller als die meisten anderen Meere der Welt. In manchen Sommern liegt die Wassertemperatur fünf Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Für Quallen bedeutet das: mehr Zeit zur Fortpflanzung, höhere Überlebenschancen, größere Populationen.

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Die Ohrenqualle ist für den Menschen ungefährlich
Photo by Timo Volz on Pexels.com

Ein Meer, das aus dem Gleichgewicht gerät

Dazu kommt ein zweiter, menschengemachter Faktor: Überfischung. Viele Quallen ernähren sich von Kleinstlebewesen – dieselbe Nahrungsquelle wie zahlreiche Fischarten. Je weniger Konkurrenz, desto besser für die Medusen. Gleichzeitig verschwinden ihre Fressfeinde. Was früher ausgeglichen war, verschiebt sich – und wird sichtbar. In Hafenbecken, in ruhigen Buchten, an den Rändern der Fischzucht.

Wo das Wasser steht – bleiben sie

Die obere Adria gilt inzwischen als Hotspot – besonders in windstillen Sommern. Aber auch Kalabrien, Apulien, Sizilien oder der Golf von Neapel melden regelmäßige Vorkommen. Die Quallen folgen keinen Ferienkalendern, aber bestimmten Bedingungen: wenig Strömung, konstantes Klima, nährstoffreiches Wasser. Kurz gesagt: Wo es für Urlauber schön ruhig ist, bleibt es das für Quallen auch.

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Von dekorativ bis schmerzhaft

Italiens Meere beherbergen eine erstaunliche Bandbreite: Die milchig-blaue Lungenqualle wirkt groß und eindrucksvoll, bleibt aber meist harmlos. Die kleinere Feuerqualle leuchtet zwar hübsch, ist aber weniger freundlich. Ein kurzer Kontakt reicht für ein Brennen, das man nicht so schnell vergisst.

Dann gibt es die Spiegeleiqualle – visuell ein Hingucker mit gelbem Zentrum und weißem Rand, biologisch gesehen völlig unauffällig. Die Kompassqualle bringt Muster mit, die an nautische Karten erinnern. Ihre Tentakel sollte man dennoch nicht unterschätzen. Die Ohrenqualle wiederum ist beinahe durchsichtig, leicht zu übersehen und oft harmlos – aber sehr präsent.

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Wenn eine Begegnung kein Zufall ist

Anders liegt der Fall bei der Portugiesischen Galeere. Sie gehört nicht zu den Quallen im engeren Sinn, sieht aber so aus – nur gefährlicher. Ihre Tentakel können über zwanzig Meter lang werden, das Nesselgift ist stark und kann medizinisch relevant sein. Im Mittelmeer wird sie nur selten gesichtet, aber ausgeschlossen ist es nicht. Sollte es zur Berührung kommen, gilt: keine Selbstbehandlung, keine Experimente – sondern direkte ärztliche Hilfe.

Nicht reiben, nicht raten – reagieren

Wenn es zu einem Kontakt kommt, zählt vor allem: nicht hektisch, aber richtig handeln. Nicht reiben – dadurch breiten sich die Nesselkapseln aus. Auch Süßwasser ist keine gute Idee, besser ist Meerwasser zum Spülen. Kühlung hilft, solange sie nicht direkt auf die Haut trifft. Und bei stärkeren Reaktionen: Apotheke oder Arzt. Essig wird oft empfohlen, hilft aber nicht bei allen Arten. Wer unsicher ist, lässt es besser bleiben.

Mehr Infos: Seit 2019 gibt es in Italien die App avvistAPP. Sie erlaubt es, Quallensichtungen in Echtzeit zu melden oder einzusehen.

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