Warum Italien jetzt „David Bowie“ zum Eurovision Song Contest schickt

Lucio Corsi begeisterte in Sanremo mit Italo-Glam-Rock Foto: IMAGO/Matteo Gribaudi

Von unserer Redaktion

Das erste große Drama um den Eurovision Song Contest endete in Italien jetzt mit einem Happy End. Der italienische David Bowie fliegt zum größten internationalen Musikwettbewerb der Welt, der im Mai im Schweizerischen Basel stattfindet.

Die Confusione grande hat ein Ende: Traditionell darf der Gewinner des „Festival della Canzone Italiana di Sanremo“, die wichtigste Musikshow des Landes, Italien beim ESC vertreten. In diesem Jahr gewann Sänger Olly (23) mit nur 0,4 Prozent Vorsprung vor Lucio Corsi, dem italienischen David Bowie. Schon in der Finalnacht war Olly der Druck merklich anzusehen. Die Überraschung folgte bei der Abschluss-Pressekonferenz am nächsten Tag: Olly erbat sich eine Woche Bedenkzeit, ob er überhaupt zum ESC möchte. Ein Novum in der Geschichte von „Sanremo“: ein Land diskutierte. Mehr als 70 Prozent hatten in der Finalnacht eingeschaltet.  

Die Gründe für die ESC-Absage

Jetzt steht die ESC-Entscheidung endgültig fest: Olly fährt nicht nach Basel. Auf Instagram erklärte der Sänger seinen Schritt: „Seit Tagen frage ich mich und hole bei allen Meinungen ein – die Antwort ist immer dieselbe: ‚Am Ende musst du das tun, was du fühlst‘, denn jeder weiß, wie wichtig es für mich ist, immer ich selbst zu bleiben. Ich glaube nicht, dass ihr traurig wärt, wenn ich einige Konzerte wegen des ESC verschieben würde, aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich mich mit allem, was in meinem Leben passiert, verbinden muss, bevor ich noch weiter in die Zukunft blicke.“ Und weiter: „Ich habe mich daher entschieden, auf die Möglichkeit zu verzichten, am Eurovision Song Contest teilzunehmen – in dem Bewusstsein, dass solche Chancen im Leben vielleicht nur einmal kommen.“ Der veranstaltende Fernsehsender, das öffentliche Programm Rai 1 hatte bereits vor der Entscheidung bekannt gegeben, dass er die Entscheidung des Künstlers akzeptieren werde.

Publikumsliebling Lucio Corsi rückt nach

Für Olly rückt jetzt der Zweitplatzierte Lucio Corsi nach, der das ESC-Ticket nur um 0,4 Prozent verpasst hatte. Von Festivaltag 1 gehörte er zu den Publikumslieblingen. Der 31-Jährige erinnert optisch und musikalisch an den jungen David Bowie, aber begeisterte die Zuschauer vor allem mit seiner bodenständigen, liebenswerten Art. So hatte er verraten, dass er die Flügelchen seines Glam-Rock-Kostüms mit Chipstüten ausgepolstert hat, damit sie besser stehen. Sein Lied „Volevo essere un duro“, „Ich wollte ein Harter sein“ hat den Zeitgeist getroffen. Mit einer melancholischen Leichtigkeit singt er darüber, dass er schon als Kind von den Bäumen runtergefallen ist und auch heute nur ein weißer Gürtel im Judo ist – obwohl Mama immer gesagt hat, dass das Leben ein Kinderspiel ist. Das Fazit am Ende: „Ich bin ein Niemand. Ich bin niemand anderes als Lucio.“

Lucio Corsi (31) ist ein Singer-Songwriter aus der Toskana, der 2012 für die Musik nach Mailand zog. Vor allem bei seinem letzten Album „La Gente Che Sogna“, „Menschen, die träumen“,  hört man den Glam-Rock der 1970er Jahre, seine große Leidenschaft. Von Mai 2023 bis Herbst 2024 war er auf großer Tournee, war unter anderem Vorband bei „The Who“ in Florenz.

Der ESC findet mit 37 Nationen 2025 in Basel in der Schweiz statt. 37 Nationen treten gegeneinander musikalisch an. Die Halbfinale finden am 13. und 15. Mai statt, das große Finale dann am 17. Mai. Das jeweilige Gastgeberland und die „Big Five“ des ESC, zu denen neben Großbritannien, Frankreich, Spanien und Deutschland auch Italien gehört, sind automatisch für das Finale qualifiziert.

Mehr Geschichten aus Italien

Kommentare

hi_IN

Discover more from la bella vita club

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading