Radreisen in Italien: Wo und wie die Italiener selbst am liebsten fahren

Von unserer Redaktion

Der Radtourismus boomt in Italien – nicht nur bei den internationalen Gästen, sondern auch bei den Einheimischen. Immer mehr Italiener entscheiden sich für den „Cicloturismo“, den Urlaub auf zwei Rädern.

Foto: stock.adobe.com/Uwe

Ob Tagesausflüge, mehrtägige Touren oder ganze Radreisen durch das eigene Land – eine aktuelle nationale Umfrage der FIAB (Federazione Italiana Ambiente e Bicicletta) zeigt jetzt detailliert, wohin und wie die Italiener am liebsten mit dem Fahrrad reisen. Die FIAB ist Italiens wichtigste Organisation zur Förderung des Radverkehrs in Italien. Mit der Universität Insubria, dem Netzwerk „Active Italy” und dem „Club der Fahrradfreundlichen Unternehmen” (CIAB) hat sie 2.500 italienische Radreisende für eine groß angelegte Studie befragt.

cyclist riding through scenic italian dolomites
Mit elektronischen Antrieb sind auch die Dolomiten erklimmbar, vielmehr befahrbar
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Wohin die Italiener am liebsten radeln

Die große Mehrheit der italienischen Radurlauber, knapp 80 Prozent, bleibt in der Heimat. Besonders beliebt sind Radreisen durch den Norden des Landes. Die meistbesuchten Regionen sind Venetien, Emilia-Romagna, Lombardei, Trentino-Südtirol, Friaul-Julisch Venetien und die Toskana. Nur knapp jeder Fünfte unternimmt Radreisen ins Ausland. Viele Italiener sind nach eigenen Angaben auch in den kühleren Monaten unterwegs sind: Jeder Zweite fährt auch im Herbst, jeder Fünfte auch im Winter. Natur und Kultur auf zwei Rädern: 80 Prozent der italienischen Radreisenden fahren gerne durch ländliche Regionen wie Hügel- und Flusslandschaften, während 68 Prozent auch Städtereisen mit dem Fahrrad schätzen.

Zug, Bus und Fahrrad

Der italienische Radtourismus hängt entscheidend von der sogenannten „Intermodalität“ ab, also von der Kombination verschiedener Verkehrsmittel. Etwa zwei Drittel der Radreisenden nutzen den Zug zur Anreise, und der Großteil davon setzt ihn auch während des Urlaubs für Strecken zwischen den Etappen ein. Fast alle Befragten halten die Möglichkeit, Fahrräder in Zügen und Bussen mitzunehmen, für essenziell. Gleichzeitig betonen genauso viele die Bedeutung gut instand gehaltener Radwege und eine hohe Qualität der Streckenführung.

E-Bikes als Wachstumstreiber

Der Einfluss von E-Bikes auf den Radtourismus wächst rasant. Jeder Fünfte hat erst mit dem E-Bike mit längeren Touren begonnen. Vor allem älteren Menschen wird der Einstieg in den Radtourismus erleichtert. Jeder dritte italienische Urlauber ist heute mit elektronischem Antrieb unterwegs. Die Studie zeigt, dass E-Bikes insbesondere dazu beitragen, anspruchsvollere Strecken mit mehr Höhenmetern (83 % der Befragten), längere Touren (81 %) und häufigere Radreisen im Jahr (72 %) zu ermöglichen.

piazza navona in rome
Mit dem Elektro-Fahrrad durch Rom: Sightseeing auf zwei Rädern
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Anforderungen an Unterkünfte

Bei der Wahl der Unterkünfte legen Radreisende großen Wert auf spezielle Services. Während für fast alle sichere Fahrradabstellmöglichkeiten (90 %) ein Muss sind, wünschen sich Gelegenheitsradreisende zusätzliche Angebote wie energiereiche Mahlzeiten (77 %), Waschmöglichkeiten für Kleidung (59 %), Kartenmaterial (68 %), Fahrradverleih (41 %) und geführte Touren (43 %).

Sicherheit und Wirtschaftsfaktor

Trotz der positiven Entwicklungen bleibt die Sicherheit ein großes Anliegen. Viele Radreisende fühlen sich im Straßenverkehr unsicher – sowohl in Städten als auch auf Landstraßen. Besonders Gelegenheitsradler geben an, dass Sicherheitsbedenken ihre Entscheidung für eine Radreise beeinflussen. Die größte Sorge ist der enge Kontakt mit motorisierten Fahrzeugen. Die Studie zeigt, dass der Radtourismus nicht nur eine nachhaltige Reiseform ist, sondern auch wirtschaftlich immer bedeutender wird. Laut Daniele Crotti, Wirtschaftsforscher an der Universität Insubria, bringt der Sektor jedes Jahr wachsende positive Effekte für lokale Unternehmen, Unterkünfte und touristische Dienstleistungen mit sich.

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