Von unserer Redaktion
Für Römer ist der Parco del Circeo im Sommer ein Klassiker. Die meisten internationalen Urlauber kennen das Naturschutzgebiet mit dem Endlosstrand (noch) nicht.
Rom begeistert. Mit seinen Plätzen, Palästen, Fresken, Foren. Wer ein paar Tage in der Ewigen Stadt verbracht hat, ist erfüllt – und vielleicht bereit für den nächsten Kontrast. Für Sand statt Stein. Für Wellen statt Wandmalerei. Für ein Stück unberührte Küste, das sehr viel leiser ist als das Kolosseum, für den Parco Nazionale del Circeo.
Ein Küstenparadies mit Mythenanschluss

Foto: stock.adobe.com/Samuele Gallini
Nur anderthalb Autostunden südlich von Rom beginnt eine völlig andere Welt. Der Parco del Circeo ist kein klassischer Badeort, sondern eine wilde, geschützte Naturlandschaft: 8.500 Hektar Sanddünen, Wälder, Süßwasserseen und Lagunen – dazwischen antike Trümmer, schroffe Felsen und das Meer in einer Farbe, die fast schon kitschig wirkt.
Der Park wurde 1934 gegründet und zieht sich entlang der Küste, vorbei an Orten wie Sabaudia, San Felice Circeo und Torre Paola. Hier gibt es keine Strandburgen, keine Musikbeschallung, keine Liegen in Reih und Glied. Dafür: Wind im Gesicht, Pinienduft, ein Gefühl von Weite – und Wasser, das in fast allen Blautönen leuchtet.
Circe lässt grüßen
Der Name des Parks geht übrigens auf die Zauberin Circe zurück – jene mythologische Figur aus Homers Odyssee, die Odysseus‘ Männer in Schweine verwandelte. Die Halbinsel Circeo galt in der Antike als ihr Wohnsitz.

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Sabaudia – Rationalismus trifft Naturidylle
Wer nach einem konkreten Ziel sucht, sollte Sabaudia ansteuern, ein architektonischer Sonderfall in Italien. Die Modellstadt wurde in den 1930er Jahren während des italienischen Faschismus hochgezogen – mit klaren Linien und architektonischer Strenge. Zwischen 1927 und 1939 wurden an die 840 km² Sumpfland südlich von Rom trockengelegt und für die Landwirtschaft parzelliert. Umso schöner ist der Kontrast zur Umgebung: Nur ein paar Schritte vom nüchternen Stadtbild entfernt beginnt einer der längsten und unberührtesten Strände Italiens.
Hier badet, wer Ruhe sucht. Die Spiaggia di Sabaudia zieht sich kilometerweit an der Küste entlang, geschützt durch Dünen und Pinienwälder. Einige Abschnitte sind bewirtschaftet, die meisten aber frei zugänglich. Man kann hier den ganzen Tag verbringen, ohne dass jemand einem einen Selfiestick verkaufen will.
Torre Paola – Postkarte mit Fels
Etwas weiter westlich liegt der fotogenste Abschnitt des Parks: der Strand von Torre Paola, benannt nach dem mittelalterlichen Wachturm, der sich stolz auf einem Felsen erhebt. Der Blick aufs Meer, eingerahmt vom Monte Circeo im Hintergrund, hat etwas Episches. Wer morgens früh kommt, erlebt den Strand in fast vollkommener Stille. Wer nachmittags bleibt, sieht das Licht langsam in Gold kippen. Und ja: Es gibt hier auch ein kleines Lido mit Liegestühlen – aber unaufdringlich. Alles wirkt zurückhaltend, fast wie aus der Zeit gefallen. Selbst die Parkplatzsituation ist in der Nebensaison erstaunlich zivilisiert.
Praktisch gedacht
Am besten erreicht man die Region mit dem Auto – von Rom aus über die SS148 „Pontina“. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, kann mit dem Zug bis Priverno-Fossanova fahren und von dort einen Bus nach Sabaudia oder San Felice Circeo nehmen. Nicht ganz bequem, aber machbar.