Erforscht! Warum Italien mit Händen spricht

Diese Gestik gibt es weltweit – Italien ist anders Foto: stock.adobe.com/oliviaelisa92

Von unserer Redaktion

Beim Reden ist in Italien voller Körpereinsatz gefragt. Kein anderes Land der Welt ist so berühmt für seine Gesten.

Die Italienerinnen und Italiener sind Profis der nonverbalen Kommunikation. Ihre Handbewegungen sind keine (temperamentvolle) Betonung des Gesagten – im Gegenteil: Sie haben eine eigene Bedeutung und können dem Gespräch eine ganz andere Richtung geben. Mehr als 250 Handbewegungen sind wissenschaftlich untersucht worden. Warum Italien mit den Händen spricht, dazu gibt es zwei Theorien:

  • Gesten als Geheimsprache: Über mehrere Jahrhunderte war Italien von fremden Herrschern besetzt. Mit Gesten konnten sich die Einheimischen heimlich verständigen.
  • Aufmerksamkeit: Gerade im Süden Italiens war die Besiedlung früher so eng, dass man sich etwas einfallen lassen musste, um Gehör zu bekommen – und zu behalten.

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Reden ohne Hände geht quasi nicht
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Die Espresso-Handbewegung

Während die meisten Fremden Hemmungen haben, sich aus vollem Herzen zu unterhalten, sind Gesten für Menschen aus Italien eine zweite Muttersprache: Gesten haben eine eigene Bedeutung. Sie sind mehr als eine Betonung. Schau dir an, wie ein Italiener in der Bar einen Espresso bestellt – ohne ein einziges Wort zu sagen (ein bisschen Zeigefinger, ein bisschen Handgelenk drehen mit Auf-und-ab-Bewegung, ein bisschen Kopfgenicke). 

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Es wird immer mit Leidenschaft gesprochen
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Worum es in der italienischen Küche wirklich geht

Theorie 1: Gesten als Geheimsprache

Nach dieser Theorie lässt sich die starke Gestik auf die Zeit der Fremdkolonisierung Italiens zurückführen. Im Laufe der Jahrhunderte haben die Italienerinnen und Italiener Gesten als eine Art alternative Form der Kommunikation entwickelt – eine Art Geheimsprache gegenüber ihren österreichischen, französischen und spanischen Lehnsherren. 

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Warum es nur sagen, wenn man auch was zeigen kann
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Theorie 2: Gesten für Aufmerksamkeit

Laut einer Studie der Universität von Rom gibt es mindestens 250 italienische Gesten. Professorin Isabella Poggi hat das Thema im Bereich der Psychologie erforscht. Ihr zufolge geht das Gestikulieren auf die Zeit der griechischen Kolonialisierung des Südens zurück.

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Damals waren die Städte so eng und dicht bevölkert, dass man in der Masse der Menschen irgendwie auffallen musste. Wenn dein Mitmensch konzentriert zuhören sollte, musstest du die Aufmerksamkeit auf dich lenken. 

Übrigens: Der italienische Regisseur Luca Vollu (Dokumentarfilm „La voce del corpo“, die Sprache des Körpers) bietet seit einigen Jahren sogar Workshops zur Gestensprache an Universitäten zwischen England und Australien an. Er hat auch schon das National Theatre in London unterrichtet – mamma mia!

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